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Niedersachsen Agrarminister präsentiert Siebenjahresplan für Tierschutz
Nachrichten Politik Niedersachsen Agrarminister präsentiert Siebenjahresplan für Tierschutz
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17:00 15.02.2011
Von Michael B. Berger
Bis 2015 soll das Amputieren von Hühnerschnäbeln ein Ende haben. Quelle: dpa
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Niedersachsens Agrarminister war am Montag höchst erstaunt über das riesige Interesse an seiner Pressekonferenz. Kein Wunder, nicht erst der Skandal um gequälte Hühnerküken bei der Firma Lohmann bescherte der Präsentation von Lindemanns Tierschutzplan hohe Aufmerksamkeit. Doch Lindemann, so betonte er am Montag, will sich nicht drängen lassen – „weder von plötzlichem Aktionismus auf Bundesebene noch von Geschrei, das komme jetzt alles zu spät“. Stattdessen will der CDU-Politiker mit einem Siebenjahresplan den Tierschutz in der Tierhaltung verbessern.

Handlungsbedarf“ sehe er vor allem bei der Geflügelwirtschaft, sagte Lindemann, der auch erreichen will, „dass die Verbraucher die Produkte gern zu sich nehmen und nicht das Gefühl bekommen, diese Produkte seien moralisch anstößig.“

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So soll nach Lindemanns Worten bis 2015 das Amputieren von Hühnerschnäbeln ein Ende haben – nicht nur bei Legehennen oder Masthähnchen, sondern auch in der Putenzucht. Ein erster Test mit Legehennen läuft in einem Pilotbetrieb in der Nähe von Osnabrück an. Aber für solche Umstellungen brauche man Zeit, auch um Zuchtlinien umzustellen, betonte der Politiker. „Wir stellen Amputationen jeder Art auf den Prüfstand“, sagte Lindemann, mit der betäubungslosen Kastration von Ferkeln solle bis 2015 Schluss sein, auch mit dem Schwänzekupieren.

Bereits in zwei Jahren sollen Leitlinien für die gute wirtschaftliche Praxis erstellt sein, die auch Grundlage von Subventionen seien. Beim Verladen und Transportieren von Tieren soll auf einen schonenderen Umgang geachtet werden, bei den Ställen auf mehr Ruhebereiche und bessere Einstreu. Die Haltungsbedingungen für Puten, Hühner, Enten sowie für Mastbullen, Sauen und Mastkaninchen sollen verbessert werden.

Bei Schlachthofkontrollen, der jetzt schon vorgeschriebenen „Lebendbeschau“, soll stärker auf den guten Zustand der Tiere geachtet werden – bei Nutzgeflügel sei etwa die Fußballengesundheit ein guter Indikator.

Niedersachsen sei das „Kerngebiet der Nutztierhaltung in Europa“, betonte Lindemann. Deshalb ergebe sich für das Land eine besondere Verantwortung für den Tierschutz, der möglichst im Konsens mit den Züchtern verbessert werden soll. Der Agrarminister wies darauf hin, dass die Gesetzgebungskompetenz wesentlich beim Bund liege, aber auch eine europaweite Harmonisierung der Vorschriften von großer Bedeutung sei.

Landvolkpräsident Werner Hilse bot dem Agrarminister Hilfe bei der Umsetzung seiner Pläne an. Neue Lösungen müssten aber in der Praxis auch umsetzbar sein. Der landwirtschaftspolitische Sprecher der FDP, Jan-Christoph Oetjen, bezeichnete Lindemanns „Tierschutzplan“ als „genau den richtigen Weg“ und lobte dessen Absicht, die Betroffenen an einen Tisch zu holen. Darüber hinaus würde ein „Tierschutzlabel“ mehr Transparenz bringen.

Dagegen gab es aus der Landtagsopposition Kritik. „Tierschutz bleibt auch unter dem neuen Minister nur Kosmetik, im Zweifel dominieren die Interessen der Geflügelhalter“, meinte der Grüne Christian Meyer. Mit dem Siebenjahresplan verschleppe Lindemann die Probleme im Tierschutz, erklärte die Linke Marianne König. Schließlich kenne Lindemann die Probleme. Auch Andrea Schröder-Ehlers von der SPD drängte den Agrarminister, „schneller und verbindlicher“ vorzugehen. Freiwillige Vereinbarungen mit Mästern und Haltern gebe es doch schon seit Jahren.

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