Menü
Hannoversche Allgemeine | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Niedersachsen Alle Macht der Basis: Schostok will SPD umbauen
Nachrichten Politik Niedersachsen Alle Macht der Basis: Schostok will SPD umbauen
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
20:11 01.11.2009
Von Saskia Döhner
„Ich bleibe an Bord“: Jüttner (rechts) und Schostok. Quelle: lni
Anzeige

Stärkere Dezentralisierung und mehr Transparenz müssen nach Ansicht des 45-Jährigen, der am Sonnabend zum neuen Vorsitzenden des SPD-Bezirks Hannover gewählt wurde, denn auch die zentralen Elemente des inneren Parteiumbaus sein. Schostok, für den 194 der 202 Delegierten (96 Prozent) stimmten, löst Wolfgang Jüttner ab, der den Bezirksvorsitz 18 Jahre lang innehatte.

Die SPD müsse sich auch den „Menschen ohne Mandat öffnen“ und Künstler, Wissenschaftler und Sportler vermehrt einbinden, forderte Schostok. Über die Parteireform sollte man mit Freude und Kreativität streiten, aber es dürfe kein Abwehrkampf werden. „Wir müssen uns respektieren und uns gegenseitig zuhören.“ Das, worin andere eine Entmachtung der Bezirke sehen, ist für den neuen hannoverschen Bezirkschef die Stärkung der Basis, der Ortsvereine und Unterbezirke. Nach seiner Ansicht ist eine grundlegende Strukturreform keineswegs eine interne Parteiangelegenheit, sondern „der Weg, der uns von den Oppositions- wieder auf die Regierungsbänke führt“. Viel Hoffnung richtet der 45-Jährige dabei auf den Landesparteitag in Stade im Mai kommenden Jahres: „Wir wissen alle, nur gemeinsam sind wie stark.“

Anzeige

Zuvor hatte schon der Landesvorsitzende Garrelt Duin die Delegierten beschworen, „sich um den politischen Gegner zu kümmern und sich nicht dauerhaft mit sich selbst zu beschäftigen“. Und Hannovers Oberbürgermeister Stephan Weil empfahl in einer mitreißenden Rede, „selbstkritisch, aber auch selbstbewusst zu sein“, vor allem aber mit Leidenschaft Politik zu machen: „Wer selbst nicht brennt, kann andere nicht anzünden.“ Ohne Selbstreflexion kam Wolfgang Jüttner in seiner analysierenden Grundsatzrede nicht aus. „Sagen, was ist, ist der erste Schritt für eine erfolgreiche Therapie.“ Er sei stolz darauf, fast 40 Jahre SPD-Mitglied zu sein. Die SPD kämpfe nicht nur seit 146 Jahren für Freiheit, Demokratie und Gerechtigkeit, die rot-grüne Regierung unter Gerhard Schröder habe die deutsche Gesellschaft nach der „bleiernen Zeit von Helmut Kohl“ offener und moderner gemacht.

Auch nach der verheerenden Schlappe bei der jüngsten Bundestagswahl müsse die SPD nicht in Sack und Asche gehen, sich aber wohl fragen, wieso der Partei seit 1998 jede zweite Stimme abhanden gekommen sei. „Wir sind in Teilen Deutschlands, im Osten und im Süden, keine Volkspartei mehr“, sagte Jüttner. In den Großstädten liege die SPD bei den Zweitstimmen immer wieder hinter den Grünen. „Der SPD wird die Glaubwürdigkeit abgesprochen“, monierte Jüttner: „Wir gelten nicht mehr als Partei der sozialen Gerechtigkeit.“

Eindringlich warnte er vor vorschnellen Koalitionsaussagen, auch vor negativen: „Erst wird gewählt, und dann sehen wir, mit wem was geht.“ Dies dürfe allerdings nicht als Plädoyer für die Öffnung gegenüber der Linkspartei missverstanden werden: „Eine SPD, die einer anderen Partei hinterherläuft, wäre doch eine jämmerliche Vorstellung“, sagte er und bekam dafür reichlich Applaus, der am Ende seiner Rede in Ovationen überging. „Ich bleibe an Bord“, versprach Jüttner und ließ sich von seinem Nachfolger Schostok „ehren, aber nicht verabschieden“. Zum Dank gab es für den „durch und durch Roten“ eine Laudatio von seinem Weggefährten Rolf Wernstedt und eine Kiste mit Rotweinen.

Mehr zum Thema

Der neue Vorsitzende des SPD-Bezirks Hannover, Stefan Schostok, will die lokale Parteiebene stärken.

01.11.2009

Der niedersächsische SPD-Landtagsabgeordnete Stefan Schostok ist neuer Vorsitzender des SPD-Bezirks Hannover. Er erhielt am Sonnabend beim Bezirksparteitag in Hannover 96 Prozent der Delegiertenstimmen.

31.10.2009

SPD-Landtagsfraktionschef Wolfgang Jüttner (61) will auf dem Bundesparteitag der SPD in drei Wochen für den Bundesvorstand der Sozialdemokraten kandidieren. Am Sonnabend gibt er das Amt des SPD-Bezirksvorsitzenden an den Landtagsabgeordneten Stefan Schostok (45) ab, einen engen Weggefährten.

30.10.2009