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Niedersachsen Althusmann will mehr Betriebskitas
Nachrichten Politik Niedersachsen Althusmann will mehr Betriebskitas
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19:44 24.08.2012
Von Saskia Döhner
Familienfreundlichkeit bindet Mitarbeiter: Auch der Energieversorger e.on hat in Hannover jetzt eine Krippe gegründet. Quelle: Surrey
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Hannover

Kultusminister Bernd Althusmann wünscht sich von den niedersächsischen Firmen mehr Engagement in der Kinderbetreuung und verspricht dafür den Abbau bürokratischer Hürden. „Es wäre schön, wenn sich die Zahl der Betriebskindergärten in den nächsten zwei Jahren von 34 auf insgesamt 90 verdreifachen könnte“, sagte der CDU-Politiker gestern in Hannover. Das wäre ein Plus von rund 1200 Plätzen. Dabei geht es nicht nur um Betreuungsangebote für Drei- bis Sechsjährige, sondern auch um Krippen für die unter Dreijährigen. „Betriebe, die Kitas einrichten, tragen damit gemeinsam mit Bund, Land und Kommunen dazu bei, den steigenden Bedarf an Betreuungsmöglichkeiten in den kommenden Jahren zu decken.“ Nicht nur die Eltern, auch die Unternehmen profitierten, sagte Althusmann. Sie könnten in Zeiten des Fachkräftemangels Mitarbeiter langfristiger an sich binden.

Die Familienfreundlichkeit eines Unternehmens werde bei der Auswahl eines Jobs immer wichtiger, bestätigte auch der Hauptgeschäftsführer der Unternehmerverbände Niedersachsen, Volker Müller. Dazu gehöre aber nicht nur eine Betriebskita, sondern auch flexible Arbeitszeiten und Heimarbeitsplätze. Die Bereitschaft vieler Firmen, sich in der Kinderbetreuung zu engagieren, sei groß, sagte Müller, scheitere oft aber an den bürokratischen Vorgaben. „Man braucht schon einen ganzen Planungsstab, um eine Betriebskita zu realisieren.“

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Er sprach von umständlichen Behördengängen zu Bau- und Jugendämtern und komplizierten Vorschriften wie getrennte Wickelräume für weibliche und männliche Babys, eigens niedrige Kindertoiletten oder speziell montierte Türgriffe: „Davor schrecken viele Unternehmen zurück.“ Betriebskitas könne man nicht staatlich verordnen, betonte Müller. „Am Ende muss es sich lohnen, derzeit sind die Verfahren zu kompliziert“.

Die Landesregierung will die Einrichtung von Betriebskitas aber einfacher gestalten. Althusmann versprach den Abbau bürokratischer Hindernisse: „Wir wollen schnell und einfach genehmigen.“ Er kündigte eine Koordinierungsstelle an, die Unternehmer beraten soll. Auch kleinere und mittlere Betriebe will Althusmann ansprechen. Nicht immer müsse es eine eigene Betriebskita sein. Firmen könnten sich auch sich zusammentun und mehrere Tagesmütter beschäftigen. Im November sollen Betriebe, Trägerverbände und Kommunen an einen Tisch geholt werden.

FDP-Bildungsexperte Björn Försterling warb dafür, die vorgeschrieben Quote für firmenfremde Kinder zu senken. Betriebskitas, die in den Genuss der 20-prozentigen Landesförderung kommen wollen, müssen ein Drittel ihrer Plätze auch für Kinder von Nicht-Betriebsangehörigen anbieten. Gerade auf dem Land dürfte dies schwierig werden.