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Niedersachsen An Grundschulen fehlen die Musiklehrer
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00:18 02.05.2015
Von Saskia Döhner
Flötenspielen nach Noten fällt leicher, wenn ein professioneller Musiklehrer den Unterricht macht. Doch daran hapert es in vielen Grundschulen im Lande. Quelle: Peter Kneffel
Hannover

Das geht aus einer Antwort der Landesregierung auf eine Anfrage zur Lehrerversorgung in den musisch-künstlerischen Fächern hervor. „In der Grundschule werden die Grundlagen gelegt. Wenn uns frühkindliche Bildung etwas wert ist, dann muss das auch professionell erfolgen“, sagt der FDP-Bildungsexperte Björn Försterling, „man muss sich von dem Irrglauben verabschieden, dass in der Grundschule jeder alles unterrichten kann.“ Grundschule sei eben nicht Kindergarten.

Die FDP hatte die Anfrage an die Landesregierung gestellt. Försterling tritt für eine bewusste Steuerung der Fächerwahl bei den Lehramtsstudenten ein. Wenn es viel zu viele Deutschlehrer, aber zu wenig Musik-, Kunst- oder Mathematiklehrer gebe, müsse das Land die Studienströme besser lenken. Denn klar sei auch: Wer ein wenig nachgefragtes Fach studiere, habe später an den Schulen um so bessere Einstellungschancen.

Das Problem sei nicht neu, sagte ein Ministeriumssprecher gestern: Für Musik an Grundschulen fehlten bundesweit seit Jahren die entsprechenden Lehrer.Das Land steuere gegen, indem schwerpunktmäßig Lehrerstellen für Bedarfsfächer oder Fächer des besonderen Bedarfs ausgeschrieben und besetzt würden. In einer Informationsbroschüre werde ausdrücklich darauf hingewiesen, wie gut die Einstellungschancen für Musiklehrer an Grundschulen seien. Auch Quereinsteiger hätten gute Möglichkeiten, wenn sie Musik wählten.

Nicht nur an den Grundschulen, auch an den weiterführenden Schulen sind Pädagogen mit musischer Befähigung immer noch Mangelware. An 65 weiterführenden Schulen fehlen Kunstlehrer, an 82 Schulen in Niedersachsen die ausgebildeten Musiklehrer. In der Region Hannover haben neun Schulen keinen gelernten Kunst- oder Musiklehrer. Das Kultusministerium weist darauf hin, dass viele der Standorte, an denen die Pädagogen für musische Fächer fehlten, sehr kleine Grundschulen seien oder Standorte, die sich im Aufbau befänden oder ausliefen. „Die musisch-künstlerischen Fächer haben einen sehr hohen Stellenwert im Bildungsauftrag unserer Schulen“, heißt es in der Stellungnahme der Landesregierung.

Die FDP hatte auch gefragt, wie oft Kunst und Musik im Abitur als Prüfungsfächer angewählt werden. Laut Ministerium hatten sich 2013 und 2014 10 Prozent der Abiturienten für Kunst als Leistungskurs entschieden, bei Musik waren es nur 3 Prozent, kaum jemand wählte Darstellendes Spiel. Dieses Fach wird ohnehin nur in der Oberstufe angeboten und kann Musik oder Kunst in der Stundentafel ersetzen. Zahlreiche Schulen bieten in der Oberstufe neben mathematisch-naturwissenschaftlichen und sprachlichen Schwerpunkten auch ein musisches Profil. Derzeit sind es 208.

Vergleicht man alle fünf Prüfungsfächer im Abitur, fällt auf, dass sich deutlich mehr Schüler für ein naturwissenschaftliches Fach entscheiden als für Kunst oder Musik. Im vergangenen Jahr wählten zwei Drittel der Prüflinge Biologie, ein Fünftel Chemie oder Physik, in Kunst lag der Anteil bei 12, in Musik bei 4,5 Prozent. Eine schriftliche Abiturprüfung im Darstellenden Spiel ist derzeit nicht möglich, eine mündliche Prüfung in dem Fach wurde 2014 an zehn Schulen abgenommen. In Hannover war dies nur die IGS Roderbruch.

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