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Niedersachsen Angriffe auf Flüchtlingsunterkünfte nehmen zu
Nachrichten Politik Niedersachsen Angriffe auf Flüchtlingsunterkünfte nehmen zu
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15:43 07.04.2015
Im Dezember 2014 brannte das Flüchtlingscamp am Weißekreuzplatz in Hannover – ob es von außen gelegt wurde oder von den Bewohnern ist bis heute nicht klar.  Quelle: Alexander Körner (Archiv)
Hannover

In Niedersachsen haben im Jahr 2015 Angriffe auf Flüchtlingsunterkünfte oder deren Bewohner zugenommen. Seit Jahresbeginn registrierte das Innenministerium in Hannover nach den Angaben einer Sprecherin vom Dienstag fünf Fälle, bislang sei aber nur in einem Fall eine politische Motivation der Täter nachgewiesen. Im Jahr 2014 wurden landesweit nur drei vergleichbare Straftaten verzeichnet, darunter befand sich ebenfalls nur eine bislang nachgewiesene politisch motivierte Tat.

Tröglitz ist ein „bundesweites Problem“

In der Nacht zu Samstag war ein Flüchtlingsheim in Tröglitz (Sachsen-Anhalt) durch ein von Unbekannten gelegtes Feuer zerstört worden. Daraufhin hatte Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Reiner Haseloff (CDU) erklärt, dabei handele es sich um „ein bundesweites Problem“. Die Zahl der Übergriffe sei im gesamten Bundesgebiet deutlich angestiegen. Bundesweit gab es 2014 mehr als 150 Attacken auf Flüchtlingsunterkünfte, dreimal so viele wie im Jahr zuvor.

„Die Delikte erstrecken sich von der Sachbeschädigung über die Körperverletzung bis hin zur schweren Brandstiftung“, sagte die Sprecherin in Hannover. In nicht allen Fällen seien die Ermittlungen bereits abgeschlossen. So sei in etwa die Ursache für den Brand von zwei Wohncontainern der Landesaufnahmebehörde Niedersachsen am Standort Hesepe (Landkreis Emsland) unklar. Auch bei einem in einem Flüchtlingscamp in Hannover ausgebrochenen Brand im Jahr 2014 habe bisher nicht ermittelt werden können, ob dieser durch fahrlässiges Verhalten der Bewohner entstanden oder von außen gelegt worden ist.

Nach Angaben des Ministeriums wurden in Niedersachsen zwischen 2003 und 2013 zehn Angriffe auf Flüchtlingsunterkünfte registriert - in der Hälfte der Vorfälle wurden politische Motivationen ermittelt. 

dpa

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