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Niedersachsen Antibiotika in fast jedem Maststall
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07:32 02.12.2011
Von Karl Doeleke
Foto: Nicht nur in der Hähnchenmast: Antibiotika werden in fast jedem Maststall eingesetzt.
Nicht nur in der Hähnchenmast: Antibiotika werden in fast jedem Maststall eingesetzt. Quelle: dpa
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Hannover

Demnach setzen alle Kälbermastbetriebe Antibiotika ein, bei Puten sind es 92 Prozent, bei Rindern 80 Prozent und bei Schweinen noch 77 Prozent der Höfe. Bereits vor vier Wochen hatte Agrarminister Gert Lindemann im Landtag eingeräumt, dass 83 Prozent der Hähnchenmastbetriebe in Niedersachsen ihren Tieren Antibiotika verabreichen. Auch manche Biobauern setzen Antibiotika ein. Nun hat das Landwirtschaftsministerium Zahlen aus anderen Fleischbranchen nachgeliefert. Die Daten stammen aus einer landesweiten Erhebung zwischen Oktober und Dezember 2010.

Der flächendeckende Einsatz von Antibiotika in der Lebensmittelproduktion ist deshalb von Bedeutung, weil er im Verdacht steht, für die Bildung resistenter Keime verantwortlich zu sein. Laut einer Untersuchung des Landesgesundheitsamtes in 34 niedersächsischen Krankenhäusern stammten im Mai 22 Prozent der gefährlichen Keime aus dem Veterinärbereich. Niedersachsen steht dabei besonders im Fokus, weil hier jeweils etwa die Hälfte aller in Deutschland gehaltenen Masthähnchen, Puten und Schweine stehen.

Die Ergebnisse der Arzneimittelerhebung seien keine Bestätigung für die oft geäußerte Vermutung, gerade in großen Tierbeständen würden besonders viele Antibiotika verabreicht, sagte Lindemann der HAZ. „Das war auch gar nicht Gegenstand der Untersuchung.“ Auch lasse die Häufigkeit der Anwendung keine Aussage über einen illegalen Einsatz zu. „Ich möchte eine missbräuchliche Anwendung im Einzelfall aber auch nicht ausschließen. Antibiotika dürfen seit 2006 nur noch zur Behandlung kranker Tiere verabreicht werden, nicht jedoch zur Wachstumsförderung.

Agrarminister Lindemann kündigte ein „Minimierungskonzept“ an, um den Medikamenteneinsatz in niedersächsischen Ställen zurückzufahren: „Ich gehe davon aus, dass sich die Menge der eingesetzten Antibiotika um mindestens 30 Prozent reduzieren lässt.“ Dazu soll ihr Einsatz in Zukunft regelmäßig in jedem einzelnen Betrieb erfasst werden. Betriebe, die als besonders medikamentenfreundlich auffallen, sollen in Zukunft besonders häufig kontrolliert werden. Sie werden dann aufgefordert, ein Minimierungskonzept vorzulegen, dessen Umsetzung ebenfalls von den Veterinärbehörden überwacht werden soll.

Die Opposition forderte von der Landesregierung mehr Anstrengungen, den Antibiotika-Einsatz zu reduzieren. Andrea Schröder Ehlers bezeichnete die neuen Daten als „erschreckend“. Die SPD-Politikerin forderte, „diese Mengen drastisch zu reduzieren“. Christian Meyer, stellvertretender Fraktionsvorsitzender der Landtags-Grünen, sieht den Grund für die hohen Werte in „unerlaubtem Wachstumsdoping“ und sprach sich für eine „antibiotikafreie Mast“ aus.

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