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Niedersachsen Architekten haben bei Umbau des Landtags freie Hand
Nachrichten Politik Niedersachsen Architekten haben bei Umbau des Landtags freie Hand
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20:40 02.09.2009
Von Michael B. Berger
Der Niedersächsische Landtag in Hannover soll ein von Grund auf neues Erscheinungsbild bekommen.
Der Niedersächsische Landtag in Hannover soll ein von Grund auf neues Erscheinungsbild bekommen. Quelle: Wilde
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„Das ist jetzt ein richtiger Wettbewerb mit vielen Möglichkeiten“, sagte am MIttwoch Landtagspräsident Hermann Dinkla, der die Grundzüge des Wettbewerbs erläuterte. Nur finanziell wird eine Grenze nach oben gesetzt – die Umbauten am Leineschloss dürfen insgesamt Kosten von 45 Millionen Euro nicht überschreiten. Ursprünglich hatte der Landtag beabsichtigt, den Anbau Oesterlens abzureißen, um einen großzügigeren Neubau des Plenarsaals zu ermöglichen, der 160 Abgeordneten sowie 250 Zuschauern Platz bieten soll.

Dass der Landtag sich aber damit über die Belange des Denkmalschutzes hinwegsetzen würde, hatte vor allem in Hannover heftige Proteste ausgelöst. Aufgrund der Einsprüche, auch von vielen Architekten, ruderte der Landtag zurück. Dinkla betonte gestern, dass die Neukonzeption des Landtages im besten Einvernehmen mit der Stadt Hannover geschehe, deren Stadtbaurat Uwe Bodemann auch einer von neun Fachpreisrichtern sei. „Die Stadt legt Wert darauf, dass eine Sichtachse zur früheren, inzwischen abgerissenen Wasserkunst bestehen bleibt, um die Optionen für einen Wiederaufbau der Wasserkunst zu erhalten. Da wollen wir nichts verbauen“, erläuterte Dinkla.

In jedem Fall soll der Umbau des Landtages eine städtebauliche Verbesserung mit sich bringen: „Wir bauen hier keine Dreifachturnhalle“. Auf die Ergebnisse eines früheren Architektenwettbewerbs aus dem Jahr 2002 könne man deshalb nicht zurückgreifen, weil sich in der Zwischenzeit die Raumanforderungen erheblich verändert hätten. So sei mittlerweile die Portikushalle marode, auch wolle man den Gastronomiebereich sanieren – das bisherige Restaurant „Leineschloss“.

An der Planung einer Tiefgarage werde man festhalten, weil hier bei den Fraktionen erheblicher Bedarf herrsche. „Unsere Bauexperten sagen, dass die Garage die Baukosten nicht wesentlich erhöht“, meinte der Landtagspräsident. Eine Schlüsselfrage des gesamten Umbauvorhabens bleibe ohnehin die Finanzierung, sagte Dinkla. Im November solle der Landtag entscheiden, ob das Geld auch in Zeiten der Wirtschaftskrise bereitgestellt werden könne. „Da gilt die alte Bundeswehr-Weisheit: Ohne Moos nix los.“

Aus dem Verkauf der Aktien der Gilde-Brauerei könne der Landtag acht Millionen Euro selbst beisteuern. Man werde aber auch die Möglichkeit prüfen, das Umbauvorhaben im Rahmen einer öffentlich-privaten Partnerschaft zu realisieren, also als eine Art Leasingmodell. Dinkla betonte, dass der Landtag keinesfalls seinen Charakter als offenes Haus verlieren werde, trotz Diskussionen um die Sicherheit. „Wir wollen keinen Hochsicherheitstrakt errichten, sondern uns öffnen – soweit es geht.“