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Niedersachsen Asse-Räumung erst in 25 Jahren?
Nachrichten Politik Niedersachsen Asse-Räumung erst in 25 Jahren?
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20:52 29.05.2012
Von Michael B. Berger
Foto: Die Bergung des Atommülls aus der Asse könnte sich bis 2036 verzögern.
Die Bergung des Atommülls aus der Asse könnte sich bis 2036 verzögern. Quelle: dpa
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Wolfenbüttel

Ein interner Terminplan, den das Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) erstellen ließ, sorgt unter Anwohnern der Asse für erhebliche Unruhe. Nach diesem Plan wäre eine Sanierung des ehemaligen Salzbergwerks, in dem 126 000 schwach- und mittelradioaktive Fässer lagern, technisch und rechtlich erst in einem Vierteljahrhundert möglich. Erst 2036 und nicht wie erwartet 2028 könnten die ersten Fässer geborgen werden. Von einem Szenario „für den schlimmsten Fall“ spricht BfS-Sprecher Florian Emrich. Der Bericht sei erstellt worden, um die Sache zu beschleunigen. Das Jahr 2036 als Rückholdatum sei auch aus Sicht des Strahlenschutzamtes nicht hinzunehmen. „Wir müssen Beschleunigungspotenziale erzielen.“

In der Politik legte die Nachricht von der möglicherweise späteren Rückholung der maroden Asse-Fässer Entrüstungspotenzial frei - parteiübergreifend. Denn so lange will etwa Niedersachsens Umweltminister Stefan Birkner (FDP) ebenso wenig warten wie die Parteien im Landtag. Grünen-Fraktionschef Stefan Wenzel forderte „mehr Tempo“ bei der Vorbereitung der Rückholung. Dass nach den bisherigen Planungen alle Verfahrensschritte nacheinander abgewickelt werden sollten, empfindet Wenzel als „höchst irritierend“. Der FDP-Abgeordnete Björn Försterling forderte wie Minister Birkner das Strahlenschutzamt auf, endlich mit den Probebohrungen im Asse-Schacht zu beginnen. Sie sollen Aufschluss darüber geben, wie es in den kontaminierten Salzkammern aussieht.

Das Strahlenschutzamt tritt nach Worten seines Sprechers Emrich schon lange für eine Beschleunigung der diversen Genehmigungsverfahren ein. Wenn man aber hier nichts tue, könne die Sanierung eben Jahre dauern. Möglich wäre, so Emrich, ein spezielles Asse-Gesetz zu schaffen oder bestimmte Verfahren parallel laufen zu lassen. Emrich wies darauf hin, dass Notfallmaßnahmen im Asse-Schacht nach dem Gefahrenabwehrrecht erlaubt seien, nicht jedoch die Rückholung des Mülls.

Der Asse-Koordinationskreis, in dem Anwohner und Betroffene vertreten sind, zeigte Genugtuung darüber, dass nun überhaupt ein Zeitplan vorliegt. Der gewaltige Bergdruck, der auf der Anlage laste, erlaube es aber keinesfalls, den Müll erst in 25 Jahren herauszuholen.

Dieser Artikel wurde aktualisiert.

Klaus Wallbaum 25.05.2012
Klaus Wallbaum 25.05.2012
Margit Kautenburger 25.05.2012