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Niedersachsen Asse-Sanierung kostet vier Milliarden
Nachrichten Politik Niedersachsen Asse-Sanierung kostet vier Milliarden
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18:52 03.09.2009
Quelle: Nancy Heusel (Archiv)
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Die Kosten für die Sanierung schätzt Gabriel auf vier Milliarden Euro.

Er halte die von Anwohnern und Umweltschützern geforderte Rückholung der radioaktiven Abfälle „weiter für eine praktikable Lösung“, meinte der Bundesumweltminister. Aber auch die Verlagerung der Fässer in andere Bereiche des früheren Salzbergwerks oder eine Verfüllung der Schächte mit Spezialbeton seien möglich.

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Das Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) werde die drei Vorschläge anhand eines Katalogs von rund 20 Kriterien prüfen. Dazu gehören unter anderem die Auswirkungen für die Umwelt, die benötigte Zeit und mögliche Gefahren für die Bevölkerung. Aber auch die Frage der Arbeitssicherheit spiele eine große Rolle, betonte BfS-Präsident Wolfram König: „Es kann uns natürlich nicht gleichgültig sein, ob unsere Mitarbeiter unkalkulierbaren Gefahren ausgesetzt sind.“

Darüber, welche der drei Vorschläge letztlich den Vorzug erhalten wird, wollten Gabriel und König nicht spekulieren. Er wisse aber jetzt schon, dass die öffentliche Diskussion selbst nach der Entscheidung weitergehe, meinte der Minister. In der Asse gehe es „nicht um eine rundum gute Lösung, sondern nur um problematische und weniger problematische“. Dazu gehöre auch die Einsicht, dass ein Großteil des in der Anlage vorhandenen Atommülls im Falle der Rückholung in das Endlager Schacht Konrad im nahen Salzgitter wandere.

Dennoch gehe er davon aus, dass eine Entscheidung anhand vorgegebener Kriterien schließlich zu einem vernünftigen Konzept für die Schließung führe, versicherte Gabriel. Das gleiche Auswahlverfahren könne in erweiterter Form auch bei der Suche nach einem Endlager für hochradioaktiven Müll helfen, meinte er. Die sei nötig, weil Gorleben durch die 2015 auslaufenden Erkundungsrechte quasi nicht mehr zur Verfügung stehe.

Die Vorgänge im ehemaligen Salzbergwerk prägten auch die Sitzung des Asse-Untersuchungsausschusses im Niedersächsischen Landtag. Hier wurde stundenlang der Wissenschaftler Prof. Wernt Brewitz befragt, ehemals Institutsleiter der Gesellschaft für Strahlenforschung. Brewitz machte deutlich, dass die in der Asse beschäftigten Wissenschaftler, überhaupt nichts mit der politischen Diskussion um die Nutzung der Asse zu tun hatten. Der Wissenschaftler bedauerte, dass wissenschaftliche Versuche zur Lagerungsfähigkeit im Salzgestein nicht fortgesetzt werden konnten, weil die Energieindustrie sie nicht bezahlen wollte. Zu den Wassereinbrüchen in der Asse bemerkte Brewitz, diese seien in den ersten Jahren äußerst gering gewesen – „im Literbereich“.

Im vertraulichen Teil der Ausschusssitzung stritten die Regierungs- und Oppositionsfraktionen darüber, ob in der kommenden Woche die frühere Wirtschaftsministerin Birgit Breuel (CDU) vernommen werden soll. Breuel hat 1984 vergeblich versucht, das 1978 stillgelegte Bergwerk wieder als Atommülldeponie zu öffnen, weil dies billiger als die Entsorgung im Schacht Konrad sei. CDU und FDP lehnten das ab.

von Jens Krone und Michael B. Berger