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Niedersachsen Asse und Gorleben erregen den Landtag
Nachrichten Politik Niedersachsen Asse und Gorleben erregen den Landtag
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22:13 23.09.2009
Von Michael B. Berger
Atommülllager Asse Quelle: Ralf Decker (Archivbild)
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Wieder einmal, aber heftiger als je zuvor, debattiert der Landtag über die marode Asse, die Folgen für den Salzstock Gorleben und die Atompolitik. Die Rede ist von Lügen, Laugen, Aktenfunden.

Diesmal, vier Tage vor der Bundestagswahl, ist die Schlachtordnung des letzten großen Wortgefechts eindeutig: Schwarz-Gelb gegen Rot-Rot-Grün, verhaltene Dur-Töne gegen breit orchestriertes Moll. Wenzel spricht in pathetischem Ton, bezeichnet die Geschichte der Atomkraft als eine „Jahrhunderlüge“. Zuvor hatte der SPD-Angeordnete Detlef Tanke zu Beginn der Debatte eine Verbindung von der lecken Asse ins Wendland gezogen: „Gorleben ist nicht die Asse, aber wie die Asse auf Täuschungen und Lügen aufgebaut.“ Der linke Abgeordnete arrondiert die Ablehnungsfront, sagt: „Der schwarz-gelbe Lack ist ab – von den Fässern der Asse“, und spricht dann über die von der Union und der FDP „lang gepflegte Lüge“ vom sauberen, billigen Atomstrom. Dabei sei die Kernenergie „tödlich“, wie Leukämiekranke und auch etliche Krebstote aus dem Uranabbau zeigten.

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Der CDU-Abgeordnete Karl-Heinrich Langspecht greift die Lügen-Thematik auf, zitiert den Reichskanzler Bismarck („Es wird niemals so viel gelogen wie vor der Wahl und nach der Jagd“), um dann über Bundesumweltminister Sigmar Gabriel herzuziehen. Der habe „mit knallharten Manipulationen“ das Atomthema hochgezogen. „Unredlich“ sei, wie Gabriel die Probleme in der Asse mit Gorleben verknüpft habe. „Die Asse war als Endlager niemals geeignet“, sagt Langspecht. Auch sein FDP-Kollege Dürr arbeitet sich an Gabriel ab wie an dessen Vorgänger Jürgen Trittin, der noch nicht einmal Bürgerbriefe zum Thema Asse persönlich beantwortet habe. Auch Umweltminister Hans-Heinrich Sander (FDP), der mit hochrotem Kopf interveniert, wettert über Gabriel, der selten so präsent war im niedersächsischen Landtag wie heute im Geiste. Zum Ende versucht SPD-Fraktionschef Wolfgang Jüttner mit einem flammenden Schlusswort den Ministerpräsidenten aus der Reserve zu locken. Es gelingt ihm nicht.