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Niedersachsen Asse war „von Anfang an“ als Endlager für Atommüll vorgesehen
Nachrichten Politik Niedersachsen Asse war „von Anfang an“ als Endlager für Atommüll vorgesehen
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20:36 04.06.2009
Das Atommüllendlager Asse.
Das Atommüllendlager Asse. Quelle: Nigel Treblin/ddp
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Dies kritisierte der Präsident des Bundesamtes für Strahlenschutz (BfS), Wolfram König, am Donnerstag in Remlingen vor Journalisten nach einem Besuch der Deponie.

„Es ging immer darum, Abfälle zu entsorgen, nicht um Forschung“, sagte König. Zwar habe es in der Asse auch ein Untertagelabor gegeben. In erster Linie hätten die Stromkonzerne aber mit Hilfe der Asse ihren Entsorgungsnotstand lösen wollen. Dennoch blieben die Kosten für die Schließung, die auf mehrere Milliarden Euro geschätzt werden, an den Steuerzahlern hängen, sagte König.

Der Großteil der eingelagerten schwach- und mittelradioaktiven Abfälle – insgesamt wurden in der Asse 126 000 Fässer deponiert – stammt nach Königs Angaben aus kerntechnischen Anlagen. Allein in den letzten zwei Betriebsjahren von 1976 bis 1978 seien noch 30 Prozent des Asse-Mülls eingelagert worden – in Königs Augen ein Beleg dafür, dass die Stromkonzerne in der Asse billig ihren Müll loswerden wollten. Für einige Atomkraftwerke diente das angebliche Versuchsendlager als Entsorgungsnachweis. Und obwohl es frühzeitig Experten gab, die vor einem möglichen Absaufen des ehemaligen Salzbergwerks warnten, sei sogar diskutiert worden, dort auch hochradioaktive Abfälle zu deponieren. Dies sei aber verworfen worden: „Es gibt keine Hinweise auf hochradioaktive Stoffe in der Asse“, betonte König. Allerdings könne niemand genau sagen, was in den Fässern tatsächlich stecke.

Die Schließung des maroden Atomlagers wird für das Bundesamt, das seit Januar Betreiber der Anlage ist, zum Wettlauf gegen die Zeit. Seit 1988 dringt Salzlauge aus dem Deckgebirge in das Bergwerk, täglich etwa zwölf Kubikmeter. Königs größte Sorge: Die Zuflüsse könnten schlagartig zunehmen. „Wir haben keine Sicherheitsreserven“, sagte er. Im schlimmsten Fall würde die Lauge das Gestein auflösen und die Grube so destabilisieren, dass sie einstürzen könnte. Die Atomabfälle kämen in Kontakt mit Wasser – die Katastrophe schlechthin in einem Endlager. Langfristig würde das Grundwasser verseucht.

250 Bergleute arbeiten daher fieberhaft daran, die riesigen Hohlräume unter Tage nachträglich zu stabilisieren. Schon der frühere Betreiber, das Helmholtz Zentrum, hatte die meisten Kammern mit Salzgrus verfüllt, doch dieser sackte in sich zusammen.

Für die Asse werden derzeit drei Stilllegungskonzepte geprüft. Die Hohlräume könnten mit Spezialbeton ausgefüllt werden – ein Verfahren, das auch im benachbarten Endlager Morsleben angewandt wird. Alternativen sind die Rückholung der Abfälle und die Umlagerung in tiefere Bereiche der Asse.

Bis mindestens 2020 bleibt die Asse einem Gutachten zufolge noch standfest – vorausgesetzt, es kommt nicht zu einem Wassereinbruch. „In diesem Fall bliebe uns nur noch die gezielte Flutung als Gefahrenabwehr“, sagte König.

von Margit Kautenburger