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Niedersachsen Bauwirtschaft beklagt: Zu viele Bürgerproteste bremsen Neubauten
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Bauwirtschaft Niedersachsen beklagt: Zu viele Bürgerproteste bremsen Neubauten

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18:07 09.01.2020
Neubau von Wohnungen: Der Bedarf ist groß. Quelle: Bernd von Jutrczenka/dpa
Hannover

Der Neubau von Geschosswohnungen in Niedersachsen wird zunehmend von Bürgerprotesten erschwert – trotz eklatanten Wohnraummangels in den Ballungsgebieten. „Nahezu jedes unser Wohnbauunternehmen muss sich mit Protesten und Einsprüchen auseinandersetzen“, berichtet Susanne Schmitt, Direktorin des Verbandes der Wohnungswirtschaft (vdw) in Niedersachsen und Bremen. Die Gesellschaft müsse ein Bewusstsein dafür entwickeln, dass der Neubau von Wohnungen notwendig sei.

4000 neue Wohnungen jährlich

Der Verband der Wohnungswirtschaft ist mit 172 Mitgliedsunternehmen einer der großen der Branche. Verbandsdirektorin Schmitt ist optimistisch, dass das Ziel des Landes Niedersachsen,bis zum Jahr 2030 etwa 40.000 geförderte Wohnungen zu bauen, erreichbar sei. „Auch wenn im vergangenen Jahr die Förderzahlen noch hinter den Erwartungen blieben, erwarte ich einen klaren Zuwachs und bin optimistisch, dass wir in diesem Jahr gemeinsam mit vielen privaten Investoren die Zielgröße von etwa 4000 geförderten Wohnungen schaffen“, sagte die Verbandsdirektorin. Bereits im vergangenen Jahr hätten ihre Mitgliedsunternehmen so viel investiert wie nie zuvor – so seien fast 1,4 Milliarden Euro für Wohnungsneubau und Bestandsmodernisierung ausgegeben worden.

Will Hindernisse beim Neubau schleifen: Susanne Schmitt, Direktorin des Verbandes der Wohnungswirtschaft. Quelle: Tim Schaarschmidt

Die Wohnungsgenossenschaften und kommunalen Wohnungsbaugesellschaften trieben dabei den Neubau voran. So wollten sie bis 2022 annähernd 8000 Wohneinheiten zwischen Harz und Nordsee errichten, davon 40 Prozent öffentlich geförderte. Schmitt sagte, dass sich die Wohnungsgenossenschaften mit dem Neubau von Sozialwohnungen zurückhielten, liege auch an Auflagen des Landes für Ballungsgebiete. Hier ist vorgeschrieben, dass die Städte bei der Belegung von Sozialwohnungen ein Benennungsrecht haben. „Das ist für die Genossenschaften kritisch, die eigene Mitglieder auf den Wartelisten haben.“ Schmitt wies darauf hin, dass auch unter den Genossenschaftsmietern viele Hilfsbedürftige seien. Deshalb sollte das Land das Benennungsrecht abschaffen.

Ein weiteres Hemmnis für den zügigen Neubau sei der Fachkräftemangel. Wohnungsbauunternehmen berichteten, dass sie bei Ausschreibungen keine oder nur sehr wenige Angebote erhielten: „Es fehlt an allen Ecken und Enden.“ Zudem stiegen die Baukosten weiter. So berichteten Mitgliedsunternehmen, dass sich die Preise am Bau innerhalb von vier Jahren um rund 15 Prozent verteuert hätten. „In Ballungsregionen liegen die Neubaukosten teilweise deutlich über 5000 Euro pro Quadratmeter.“

Schmitt appellierte an das Land, etwas gegen die Preisspirale zu tun. So könne man etwa ein Moratorium für energetische und bautechnische Anforderungen an den Wohnungsbau erlassen. „Bei der Wärmedämmung wird ohnehin schon viel getan.“

Eigene Stromerzeugung?

Schmitt unterstrich gleichwohl, dass zum Klimaschutz auch bei den Wohnimmobilien ein massiver Sanierungsschub notwendig sei. Eine Möglichkeit, CO2-Emissionen zu verringern, wäre die Förderung einer dezentralen Energieversorgung, etwa in den Wohnkomplexen und -quartieren. Doch steuerliche Barrieren hielten Wohnbauunternehmen oft davon ab, Strom aus erneuerbaren Energien lokal zu erzeugen, entweder durch Fotovoltaik auf dem Dach oder Blockheizkraftwerke.

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Von Michael B. Berger

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