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Niedersachsen Beschneidungs-Gedicht von Ulf Dunkel bringt Grüne in Bedrängnis
Nachrichten Politik Niedersachsen Beschneidungs-Gedicht von Ulf Dunkel bringt Grüne in Bedrängnis
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12:01 02.01.2013
Von Alexander Dahl
Nach der Kritik an seinen Versen zum Thema Beschneidung will Ulf Dunkel nicht mehr in den Landtag einziehen. Quelle: dpa
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Hannover

Dunkel, ein 50-jähriger Softwareunternehmer, hatte in Internetforen Befürworter dieses religiösen Brauchtums als „Arschlöcher“ und „religiöse Fanatiker“ beschimpft. Seine scharfe Kritik hatte Dunkel zudem in Gedichtverse verpackt: „Wetzt das Messer, singt ein Lied, ab die Vorhaut von dem Glied.“ Auch textete er: „Bist du für ein intaktes Glied, so bist du gleich Antisemit.“

Der Zentralrat der Juden in Deutschland verlangte, die Grünen sollten den Kandidaten zurechtweisen und ihn zurückziehen. „Das Machwerk von Herrn Dunkel strotzt nur so vor hasserfülltem Hochmut gegenüber Juden und Muslimen“, sagte der Vorsitzende des Zentralrats, Dieter Graumann.

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Der niedersächsische Landesvorstand der Grünen erklärte, man habe Dunkel zum Verzicht auf die Kandidatur aufgefordert; zudem habe man ihm angekündigt, dass rechtliche Schritte gegen ihn geprüft werden. Anja Piel, Parteichefin der Grünen in Niedersachsen, sagte, die Partei könne Dunkel eine Rüge erteilen oder ihn gar ausschließen. Am kommenden Mittwoch reist der Landesvorstand zur Krisensitzung nach Cloppenburg. Auch der Grünen-Bundesvorstand ist eingeschaltet.

Dunkel selbst ließ über den Sprecher des Grünen-Kreisverbandes Cloppenburg erklären, er werde im Fall seiner Wahl in den Landtag sein Mandat nicht annehmen. Eine realistische Chance, in den Landtag einzuziehen, hatte Dunkel aber ohnehin nicht: Er kandidiert auf dem Listenplatz 34.

Die Kandidatur als solche kann inzwischen von niemandem mehr annulliert werden. Die Briefwahl läuft bereits; die Wahlzettel sind gedruckt.

Am Dienstag teilte Dunkel via Internetblog mit, in „der emotionalen Wucht der Diskussion ist es mir leider nicht immer gelungen, die richtigen maßvollen Worte zu finden“. Er habe sich zu einem Wutausbruch hinreißen lassen. Den Antisemitismusvorwurf aber wies er zurück: „Ich bin weder Antisemit noch Antimuslim, noch bin ich hasserfüllt.“

Der Spitzenkandidat der Grünen in Niedersachsen, Landtagsfraktionschef Stefan Wenzel, distanzierte sich am Neujahrstag in aller Schärfe von Dunkel. „In der Frage der Beschneidungen gibt es sicher eine zugespitzte Debatte, aber diskriminierende und antisemitische Äußerungen sind absolut nicht akzeptabel“, sagte Wenzel der HAZ.

Der Grünen-Kreisverband Cloppenburg reagierte indessen verärgert auf die eigene Parteispitze. „Statt ein Parteimitglied zu stützen, wird zu viel Rücksicht auf anderes genommen“, bemängelte Sprecher Michael Jäger und berichtete von einer „Welle der Solidarität“ mit Dunkel. „Rund 90 Prozent“ der eingehenden Mails seien solche, die die Position des Landtagskandidaten stützten.

Der Artikel wurde aktualisiert.