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Niedersachsen Bildungspaket erreicht mehr arme Kinder
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21:32 02.04.2013
Von Saskia Döhner
Quelle: dpa
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Hannover

Nach Angaben des Sozialministeriums ist die Ausgabequote von 39 Prozent im Jahr 2011 auf inzwischen 68 Prozent gestiegen. Insgesamt verteilten die Kommunen 45,1 Millionen Euro. Allein die Ausgaben für Nachhilfe versechsfachten sich, während sich die Beihilfen für Mittagessen in der Schule und die Mitgliedschaft im Sportverein etwa verdoppelten. Dennoch wurden rund 21,2 Millionen nicht abgerufen und müssen voraussichtlich an den Bund zurückgezahlt werden.

Ein Problem sei noch immer die sehr bürokratische Abwicklung der Anträge, kritisierte Sozialministerin Cornelia Rundt (SPD). Immerhin habe der Bundesrat vor Kurzem beschlossen, dass der Zuschuss zu Ausflügen oder Klassenfahrten wieder als Geldleistung fließen kann. Das sei sinnvoll und sollte auch für andere Zuschüsse gelten, forderte die Ministerin gegenüber der HAZ. Wer Eltern Gutscheine statt Bargeld gebe, unterstelle pauschal, dass sie das Geld nicht an ihre Kinder weitergeben. Wenn so etwas vorkomme, seien dies aber nur Einzelfälle. In der Regel würden sich „gerade alleinerziehende Mütter für ihre Kinder zerreißen“, sagte Rundt, „sie geben auch das an ihre Kinder, was ihnen eigentlich selbst zusteht.“ Eine andere Möglichkeit wäre, generell die Hartz-IV-Regelsätze für Kinder zu erhöhen.

Das Bildungspaket war zum 1. April 2011 von Bundessozialministerin Ursula von der Leyen (CDU) ins Leben gerufen worden, um bedürftigen Kindern und Jugendlichen Nachhilfeunterricht, Schulessen und die Mitgliedschaft in einem Sportverein oder einer Musikschule zu ermöglichen. In Niedersachsen würden die Mittel regional sehr unterschiedlich ausgegeben, teilte das Sozialministerium mit. Die Quote variiere zwischen 42 und 100 Prozent. In der Region Hannover waren es rund 75 Prozent. Im Landkreis Lüchow-Dannenberg ist die Hilfe nach Angaben von Landrat Jürgen Schulz (parteilos) bei nahezu allen bedürftigen Familien angekommen. Ein Grund sei vermutlich die frühe Einbindung der Schul- und Kindergartenleiter und die relativ dünne Besiedlung der Gegend: „In der Behörde weiß man nicht, ob ein Kind ohne Lineal in die Schule kommt, der Lehrer weiß es aber schon.“

Im Landkreis Göttingen haben rund 40 Prozent der Leistungsberechtigten die Hilfe gar nicht erst beantragt. Vermutlich sei ihnen der bürokratische Aufwand zu groß, sagte ein Sprecher. Ähnlich äußerte sich der Landkreis Harburg. Im Verhältnis zu den geringen Summen, um die es gehe, sei der Verwaltungsaufwand einigen Familien wohl zu hoch.

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