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Niedersachsen Braunschweiger Ärzte helfen Kind mit entstelltem Gesicht
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21:53 22.01.2010
Tina Peters (li.) und Pirkko Fischer untersuchen Maryam.
Tina Peters (li.) und Pirkko Fischer untersuchen Maryam. Quelle: dpa
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Um die Folgen zu mildern, haben Braunschweiger Ärzte das Kind am Freitag operiert.

Möglich wurde das durch Pirkko Fischer. Die Medizinerin des Braunschweiger Klinikums war Anfang 2008 für die Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen in der nordostirakischen Millionenstadt Sulaimaniyya tätig. Dort traf sie auf Maryam. „Sie hatte schwerste Verbrennungen am Kopf und eine starke Rauchvergiftung. Das linke Auge und die Unterlippe waren geschädigt, die Nase und ein Ohr quasi zerstört“, berichtete Fischer gestern. Der restliche Körper des Mädchens blieb unversehrt, weil die Mutter das Kind als Schutz gegen die Kälte in Decken eingewickelt hatte. „Das hat sie wahrscheinlich gerettet. Dennoch grenzt es an ein Wunder, dass sie noch lebt“, meinte die Ärztin.

Maryams Gesichtshaut wurde unter schwierigen Bedingungen in der örtlichen Klinik entfernt und durch Implantate ersetzt. Es gelang, das Auge und die Lippe zu retten. Dr. Fischer legte den Fall aber nicht zu den Akten. Sie hielt Kontakt zu der Familie. „Die Eltern sind einfache Menschen. Ich bin ihnen dankbar, dass sie der Behandlung in Deutschland zugestimmt haben“, sagte die 33-Jährige.

Die Gelegenheit ergab sich im Sommer 2009 durch die Unterstützung des Vereins „Luftbrücke Irak“. Pirkko Fischer konnte Maryam abholen und im Klinikum Osnabrück operieren. „Dort ist man aber nicht auf plastische Chirurgie eingerichtet. Deshalb machen wir hier weiter“, erklärte die Medizinerin. In der Zwischenzeit war eine Pflegefamilie für das Mädchen gefunden.

Seit Monaten lebt es bei Andrea Willert und Claudia Seikowski. „Maryam ist glücklich, glücklicher als andere Kinder, die ich kenne“, betont Willert.

Nur die Behandlung des Gesichts mit einer Spezialcreme möge die Zweijährige nicht. Im Haus der beiden Frauen freut sich das Mädchen vor allem über die Tiere. „Katzen sind für sie das Größte. Sie miaut sogar“, erzählte die Pflegemutter. Und Maryam lerne Deutsch.

Damit Sprechen und Essen künftig besser funktionieren, galt der Lippe bei der gestrigen Operation viel Aufmerksamkeit. Es war nicht der letzte Eingriff. „Einiges können wir erst machen, wenn sie ausgewachsen ist“, sagte Tina Peters. Die Oberärztin in der Klinikumsabteilung für plastische Chirurgie war an der Operation beteiligt. Geld nimmt sie dafür ebenso wenig wie Pirkko Fischer. Das Rote Kreuz hat ein Spendenkonto für Kosten eingerichtet, die mit dem Aufenthalt des Mädchens entstehen. Im Frühling kehrt das Kind erst einmal zu seinen Eltern und den vier älteren Geschwistern in den Irak zurück.

von Jens Krone