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Niedersachsen Brennende Polizeiautos und Wasserwerfer im Wendland
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17:00 25.11.2011
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Gorleben

Brennende Polizeiautos, Blockaden und Wasserwerfereinsatz: Der Castor-Transport ist in Deutschland noch nicht am Ziel – doch es hat schon Zwischenfälle gegeben. Im Wendland in Niedersachsen kam es am Freitag zu neuen Auseinandersetzungen zwischen Demonstranten und der Polizei. Atomkraftgegner setzten mit Molotowcocktails zwei Streifenwagen in Brand, teilte die Polizei mit. Demonstranten versuchten laut Polizei im Wendland auch, Steine aus dem Gleisbett an der Castor-Schienenstrecke zu entfernen. Schon am Vorabend hatte es Auseinandersetzungen gegeben, die Polizei setzte Wasserwerfer ein.

Der Castor-Transport ist der letzte mit hoch radioaktiven Abfällen aus der Wiederaufarbeitung deutscher Brennelemente in La Hague in Frankreich nach Gorleben in Niedersachsen. Er war nach einem eintägigen Zwischenstopp in Ostfrankreich in Richtung Deutschland gestartet. Atomkraftgegner wollen den Zug mit hoch radioaktivem Atommüll auf dem Weg ins Zwischenlager Gorleben mit Blockaden aufhalten.

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Die Castoren passierten am Freitagmorgen die französisch-deutsche Grenze bei Saarbrücken und legten in Neunkirchen im Saarland eine mehrstündige Pause ein. Die Umkopplung des Zuges sei abgeschlossen, sagte ein Polizeisprecher. Nach dem Austauschen der Loks und nach Strahlenmessungen sollte sich der Transport nach Informationen der Nachrichtenagentur dpa am Nachmittag auf den Weg in Richtung Rheinland-Pfalz machen.

In Speyer protestierten rund 150 Atomkraftgegner aus dem Südwesten Deutschlands. In Neunkirchen im Saarland stoppte die Polizei neun Jugendliche, die auf die Gleise wollten. Verletzt wurde nach bisherigen Erkenntnissen niemand. Am Nachmittag sollte der Protest in Haßloch in der Pfalz weitergehen. Dort ist nach Angaben der Atomkraftgegner eine Blockade geplant.

Zum Auftakt der Proteste im Wendland hatte die Polizei am Donnerstagabend Wasserwerfer und Pfefferspray gegen Atomkraftgegner eingesetzt, die eine Bundesstraße im Örtchen Metzingen rund 30 Kilometer von Gorleben entfernt blockieren wollten. Die Polizei verteidigte den Einsatz und kündigte ein hartes Vorgehen gegen gewaltbereite Demonstranten an. «Straßenblockaden werden nicht mehr hingenommen», sagte der Sprecher der Bundespolizei, Fabian Hüppe.

Etwa 800 bis 1000 Protestteilnehmer hatten nach Polizeiangaben am Donnerstag eine Bundesstraße im Wendland blockiert. Vermummte bewarfen die Beamten der Polizei zufolge mit Pyrotechnik, Flaschen, Steinen, Farbbeuteln und Eiern. Elf Polizisten und mehrere Demonstranten seien verletzt, fünf Protestierer festgenommen worden. Der Bundesvorsitzende der Deutschen Polizeigewerkschaft (DPolG), Rainer Wendt nannte den Einsatz «besonnen und genau richtig», Anti-Atom-Organisationen sprachen von einer Machtdemonstration der Polizei.

Der Zug hatte am Donnerstag in der lothringischen Gemeinde Rémilly rund 65 Autokilometer südwestlich von Saarbrücken zunächst eine Pause gemacht.
Der Transport des Atommülls nach Gorleben ist seit vielen Jahren umstritten. Umweltschützer halten den Salzstock an der früheren DDR-Grenze für zu unsicher, um hier den Müll für immer in rund 800 Metern Tiefe zu lagern. Das Zwischenlager, wo der Müll bis zur Endlagerung abkühlen soll, liegt in der Nähe des Salzstocks.

dpa/dapd/frs

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