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00:15 29.06.2013
Von Klaus Wallbaum
Eine Innenansicht des künftigen Plenarsaals aus den Plänen des Büros Blocher Blocher Partners: Hinter dem Präsidenten sind die sechs Öffnungen, durch die Licht ins Gebäude kommen soll. Quelle: Handout
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Hannover.

„Auf dieses Modell hat sich die Baukommission einstimmig verständigt“, sagte Landtagspräsident Bernd Busemann gestern bei der Vorstellung der Pläne.

Vor einem Jahr hatte Busemanns Vorgänger Hermann Dinkla seine ursprüngliche Absicht, den alten Plenarsaal abzureißen und einen Glaspavillon zu bauen, ohne große öffentliche Begleitmusik beerdigt. Der Architektenwettbewerb erweist sich damit im Nachhinein als überflüssig, der Kölner Architekt Eun Young Yi als Sieger kommt nicht zum Zuge. Er muss aber entschädigt werden. Eine wichtige Vorgabe bei den neuen Plänen ist jetzt, dass die äußere Ansicht des alten, vor mehr als 50 Jahren von Dieter Oesterlen geschaffenen Plenarsaals erhalten bleibt. Sie besitzt Denkmalcharakter.

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Das Innenleben des alten Plenarsaals ändert sich allerdings komplett: Die hölzerne Außenwand wird weggerissen, damit rücken Regierungsbank, Präsidiumsplätze und die Sitze der Abgeordneten direkt an die Außenmauer des Gebäudes. Zugleich wird alles um 180 Grad gedreht: Der Präsident sitzt künftig mit dem Rücken zur Außenmauer. Links und rechts von ihm werden Besuchertribünen angeordnet. Der Eingang des Landtags, der sogenannte Portikus, wird mit einem Glasdach überzogen. Zwischen Portikus und Plenarsaal, wo derzeit Beratungsräume der Landesregierung angeordnet sind, wird künftig der „Wandelgang“ sein – hier treffen Abgeordnete und Minister mit Gesprächspartnern zusammen. Ein gläsernes Dach über dem Plenarsaal ist bisher nicht geplant. Nach Ansicht von Architekt Wolfgang Mairinger (Büro Blocher Blocher Partners aus Stuttgart) reichen die Öffnungen zur Außenmauer und zum Portikus aus, um genügend Tageslicht in den Plenarsaal zu bringen.

Das Stuttgarter Architektenbüro arbeitet mit dem hannoverschen Büro Arcadis zusammen. Drei Varianten hatten die Planer der Baukommission präsentiert, eine davon ist ausgewählt worden. Die beiden anderen hatten vorgesehen, dass der Plenarsaal in dem Oesterlen-Bau in etwa auf seinem alten Platz bleibt. Busemann sagt, dass der Kostenrahmen von 45 Millionen Euro leicht ausgeweitet werden kann. Wegen der Baukostensteigerungen seit 2009 könne man jetzt mit „rund 50 Millionen Euro“ rechnen. In den Plänen ist aber noch ein Parkdeck für die Autos der Abgeordneten enthalten, das im Fall der Fälle dem Rotstift zum Opfer fallen könnte.

Bis Mitte September will das Architektenbüro nun errechnen, wie teuer der Umbau werden soll. Bis Jahresende dann sollen die konkreten Pläne fertig sein. Im Sommer 2014 zieht der Landtag in das „Forum“ an der Marktkirche um, die Bauarbeiten sollen dann starten – und spätestens im Sommer 2017, also vor der Landtagswahl im Herbst oder Winter 2017, abgeschlossen sein.

Kein neuer Parlamentsbeschluss nötig

Nach langer Diskussion hatte der Landtag im März 2010 seine Linie festgelegt: Eine Mehrheit von 91 Abgeordneten wollte den alten, von Dieter Oesterlen geschaffenen Plenarsaal abreißen und durch einen gläsernen Pavillon ersetzen lassen. 61 Abgeordnete waren dagegen. Doch mit dieser Festlegung fingen die Probleme erst an: Der alte Plenarsaal ist ein Baudenkmal, und ein Oesterlen-Fanklub meinte, das Land als oberste Denkmalschutzbehörde dürfe kein Denkmal opfern. Erst im Juli 2012 leitete Landtagspräsident Hermann Dinkla die Wende ein – weil der neue Glaspavillon vermutlich die als Obergrenze festgelegten 45 Millionen Euro überschreite. Jetzt sind die Weichen in Richtung Umbau gestellt. Dinklas Nachfolger Bernd Busemann hält aber einen neuen Landtagsbeschluss für entbehrlich.

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