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Niedersachsen CDU will „Fleischatlas“ nicht im Unterricht
Nachrichten Politik Niedersachsen CDU will „Fleischatlas“ nicht im Unterricht
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00:18 06.04.2015
Von Kristian Teetz
Ob Kinder durch die Lektüre des „Fleischatlas“ auf Fleisch verzichten würden? Die CDU befürchtet es – und denkt dabei an die Landwirte. Quelle: dpa (Symbolfoto)
Hannover

Was hat das Schnitzel auf dem heimischen Teller mit dem Regenwald am Amazonas zu tun? Was essen Tiere, die wir essen? Fragen wie diese stellt und beantwortet der „Fleischatlas 2014“, den die Heinrich-Böll-Stiftung, der Bund für Umwelt und Naturschutz und die Zeitschrift „Le Monde diplomatique“ herausgegeben haben. Die niedersächsische CDU hält das Werk, das auch im Schulunterricht eingesetzt werden kann, für „zu ideologisch“.

Kritische Sicht auf Fleischkonsum

Der „Fleischatlas“ setzt sich kritisch mit dem Fleischkonsum auseinander. In 20 Aufsätzen und 60 Grafiken geht es um diverse Aspekte rund um Rind, Schwein und Huhn. Das Bundesumweltministerium stellt darüber hinaus Unterrichtsmaterialien zur Verfügung. Der Leser erfährt nicht nur, dass der Fleischkonsum „auch Auswirkungen auf das Klima“ habe und zur „Zerstörung von Ökosystemen“ beitrage, sondern auch, dass laut einer Untersuchung des WWF „für ein Kilogramm Rindfleisch knapp 15 .00 Liter Wasser beansprucht“ werden.

Vor allem diese Aussage erzürnt den CDU-Landtagsabgeordneten Hans-Heinrich Ehlen. „Ich weiß nicht, wer auf eine solch irre Idee kommt“, sagt der ehemalige Landwirtschaftsminister. „Das kommt nur hin, wenn man das Regenwasser, das auf die Weide fällt, mitrechnet.“ Eine solche Rechnung Schülern im Unterricht zu präsentieren sei „Menschenverdummung“, sagt Ehlen. Er habe nichts dagegen, wenn Schüler sich kritisch mit dem Fleischkonsum auseinandersetzten. Doch dann bitte auf wissenschaftlicher Grundlage.

Keine ausdrückliche Empfehlung

Kultusministerin Frauke Heiligenstadt (SPD) betont, bei dem „Fleischatlas“ handele es sich um eine „anschauliche Sammlung von Daten und Fakten über Tiere als Nahrungsmittel“. Es gebe keine ausdrückliche Empfehlung, diese als Unterrichtsmaterial zu verwenden, heißt es zudem aus dem Kultusministerium. Schulen und Lehrkräfte seien bei Planung, Durchführung und Auswertung des Unterrichts eigenverantwortlich. Es gehöre aber laut niedersächsischem Schulgesetz zum Bildungsauftrag, dass Schüler befähigt würden, „ökonomische und ökologische Zusammenhänge zu erfassen und umwelt- und gesundheitsbewusst als selbstständige Individuen zu leben“, sagt Heiligenstadt.

Der CDU-Landtagsabgeordnete Frank Oesterhelweg dagegen befürchtet, durch „tendenziöse“ Materialien könne sich die Stimmung gegen Landwirte weiter verschlechtern. „Ich weiß von Landwirten, deren Kinder in der Schule angefeindet werden, weil ihre Eltern angeblich Tierverbrecher seien“, sagt Oesterhelweg. Er fordert von der Landesregierung, darauf hinzuwirken, dass Schulen Unterrichtsmaterial wie den „Fleischatlas“ nicht verwenden.

Der Abschied vom Turbo-Abitur zieht offenbar erhebliche Kosten für die Kommunen nach sich. Die Gymnasien im Land führen ab dem Sommer das Abitur nach 13 Jahren schrittweise wieder ein. Allein die Stadt Hannover muss nach eigenen Schätzungen 35 Millionen Euro zusätzlich aufwenden.

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