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Niedersachsen Castor steht vor Schlussetappe
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16:16 28.11.2011
20 Kilometer trennen die Castoren noch von ihrem Ziel in Gorleben. Quelle: dpa
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Gorleben

Ziel in Sicht: Der Castor-Transport steht vor seiner letzten Etappe. Die elf Atommüll-Behälter sollten bis zum späten Montagnachmittag im Umladebahnhof Dannenberg auf Speziallastwagen verladen werden. 20 Kilometer Straße trennen den Transport von seinem Ziel im Atommüll-Zwischenlager in Gorleben. Auf dem Weg dahin gab es Straßenblockaden.

Mit einem Lieferwagen blockierten vier Greenpeace-Mitglieder eine Straße, um den Konvoi so lange wie möglich aufzuhalten. Einsatzkräfte sollen nach Augenzeugenberichten den zugeschweißten Kofferraum des Transporters aufgebrochen haben. Die Atomkraftgegner hätten sich mit einer Art Metallkasten in der Straße verankert.

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Zudem protestierten nach Angaben einer Anti-Atom-Initiative rund eintausend Menschen mit einer Sitzblockade bei Gorleben gegen die strahlende Fracht aus deutschen Atomkraftwerken.  Wann der Transport in Gorleben eintrifft, ist noch unklar. Der letzte Streckenabschnitt kann nur auf der Straße zurückgelegt werden.

Für die Polizei lief der Einsatz dennoch weitgehend nach Plan. „Ich denke, dass wir in dieser Umladestation etwa die Halbzeit erreicht haben und nun sehen müssen, wie die zweite Halbzeit spielt“, sagte Lüneburgs Polizeipräsident Friedrich Niehörster.

Der Castor-Zug war am Mittwoch in Frankreich gestartet. Nach 109 Stunden erreichte der Konvoi am frühen Montagmorgen den Umladehof in Dannenberg. Damit war der Castor-Transport nicht nur der letzte mit hoch radioaktivem Müll aus Frankreich, sondern auch länger unterwegs als jeder andere zuvor.

Deutschland ist verpflichtet, den Müll der deutschen Atomkraftwerke wieder zurückzunehmen. Atomkraftgegner hatten den Zug trotz massiver Sicherheitsvorkehrungen mehrmals gestoppt und die Weiterfahrt verzögert.

Angeblich Golfbälle mit Nageln geworfen

Die Polizeigewerkschaft GdP klagte über zunehmende Angriffe auf Beamte. Allein am Wochenende seien in Berlin und beim Castor-Einsatz mehr als 150 Polizeibeamte verletzt worden, sagte ein Gewerkschaftssprecher. So seien Polizisten beim Castor aus den Reihen der Demonstranten mit nagelgespickten Golfbällen beworfen worden, sagte der GdP-Vorsitzende Bernhard Witthaut.

Als Konsequenz aus dem Castor-Transport forderte der Chef der Deutschen Polizeigewerkschaft, Rainer Wendt, eine bessere Überwachungstechnik. So sollten künftig bei ähnlichen Transporten Drohnen und Wärmebildkameras zum Einsatz kommen, sagte Wendt dem Online-Portal „Bild.de“.

Nach Angaben von Greenpeace ergaben aktuelle Messungen, dass die Strahlenbelastung seit der Ankunft des Castor-Transports am Morgen über 600 Mal höher war als wenige Stunden zuvor. „Zwar liegt die Strahlung damit vermutlich innerhalb der Grenzwerte. Die zulässige Jahresdosis an Radioaktivität würde aber in direkter Nähe der Behälter innerhalb weniger Stunden erreicht“, heißt es in einer Mitteilung.

Niedersachsens Ministerpräsident David McAllister (CDU) dankte den friedlichen Demonstranten und kritisierte die Randalierer. Er habe Respekt vor den Demonstranten, die besonnen und friedlich seien. „Umso mehr kritisiere ich diejenigen, die Gewalt gegen Sachen und Menschen ausgeübt haben. Das ist nicht akzeptabel.“

Atomkraftgegner forderten McAllister erneut auf, ein Ende des Atomendlager-Projekts im Salzstock Gorleben zu forcieren. Die Anti-Atom-Organisation „ausgestrahlt“ erklärte: „Er muss sich in den Bund-Länder-Gesprächen dafür einsetzen, dass nicht noch mehr Geld im maroden Salzstock von Gorleben versenkt wird.“

Wenige hundert Meter vor der Verladestation in Dannenberg hatte der Zug zunächst noch mehr als eine Stunde auf den Gleisen gestanden. Erst dann wurden die Waggons in die Anlage rangiert.

frx/dpa

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