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Niedersachsen Das Codewort Professor M
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00:15 30.11.2013
Von Michael B. Berger
Christian Wulff am Mittwoch beim dritten Verhandlungstag vor dem Landgericht. Quelle: Körner
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Hannover

Sie organisierte den gesamten Terminkalender und buchte gegebenenfalls auch Hotels. Wulff steht wegen des Vorwurfs der Vorteilsannahme vor Gericht. Ihm wird angelastet, sich dem Filmfinanzier David Groenewold erkenntlich gezeigt zu haben, weil dieser bei einem Oktoberfestbesuch im September 2008 einen nicht unbeträchtlichen Teil der Hotelkosten Wulffs übernahm.

Mit der Vernehmung einer früheren Mitarbeiterin von Christian Wulff ist am Mittwoch der Prozess gegen den Ex-Bundespräsidenten fortgesetzt worden.

Wulffs frühere Sekretärin sagte aus, dass Groenewold Wulff schon lange zu dem Oktoberfestbesuch eingeladen habe. Der Termin sei zunächst als privater Termin Wulffs festgehalten worden, obwohl der München-Besuch auch dienstliche Bezüge hatte. Wulff habe Mühe gehabt, angesichts unzähliger Verpflichtungen, sich überhaupt privaten Freiraum zu verschaffen, sodass sich die Staatskanzlei schon bestimmte Codewörter habe überlegen müssen. "So ein Codewort war etwa, MP in Brandenburg, wenn Wulff mal ein freies Wochenende brauchte", meinte die ehemalige Vorzimmerdame Wulffs. "Um uns zu schützen, haben wir auch Mittagessen mit Professor M. eingegeben, der Mann braucht auch mal zwei Stunden, um sich zu organisieren", erklärte Wulffs frühere Sekretärin. Dass Groenewold den Oktoberfestbesuch organisierte, habe sie nicht gewundert, obwohl so etwas eher die Ausnahme gewesen sei: "Wir waren froh, uns nicht darum kümmern zu müssen. Dass Wulff zu der ursprünglich privaten Einladung noch ein paar dienstliche Termine strickte, wie den Kurzauftritt auf einer CSU-Wahlkampfveranstaltung sowie ein Treffen mit dem Verleger Hubert Burda in München sei nicht ungewöhnlich gewesen.

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Im Gegensatz zu seiner früheren Einlassung, er werde sich im Prozess nicht persönlich äußern, sondern lasse seine Anwälte sprechen, griff Wulff zum Schluss der Befragung selbst ein. Er habe nicht das Gefühl, dass das Gericht ein realistisches Bild vom täglichen Ablauf in einer Staatskanzlei habe. "Mein Leben wird hier ausgebreitet und der Eindruck erweckt, ich hätte mich nur auf Sylt und Capri aufgehalten", erregte sich Wulff. Und erwähnte noch einmal, dass schon zu Beginn des Jahres 2008 an die 800 Termine in seinem Kalender eingetragen worden waren. Deshalb habe man "Brandenburg"-Tage eingeführt.," Privat gilt nicht für Politiker", meinte der kurzzeitig erregt wirkende Bundespräsident a.D.

Zweifel, ob der bis zum Mai angesetzte Prozess nicht möglicherweise doch früher beendet werden wird, stiftete Richter Frank Rosenow vor einer Verhandlungspause. Möglicherweise brauche man Zeugen aus der Staatskanzlei, die die Verteidigung schon am 15. Dezember befragen wollte, nicht mehr hören, meinte Rosenow. Allerdings deutete er auch an, dass er sich der Verteidigung in einem anderen wichtigen Punkt nicht anschließen könne. Die betont stets, dass Wulff gar keinen Vorteil durch die Übernahme der Hotelkosten gehabt habe, weil ohnehin die CDU und die Staatskanzlei einen Teil der Kosten übernommen hätten. Dies stünde nach einem Gerichtsurteil aber nicht dem Korruptionsverdacht entgegen, meinte Richter Rosenow.

Der Prozess wird fortgesetzt.

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