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Corona-Impfung: Niedersachsen richtet sich auf Auffrischung im Herbst ein

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09:53 28.07.2021
Im Herbst soll es erste Auffrischungsimpfungen für Senioren geben.
Im Herbst soll es erste Auffrischungsimpfungen für Senioren geben. Quelle: Marijan Murat/dpa
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Hannover

Niedersachsen bereitet sich auf eine mögliche Corona-Welle im Herbst vor. Senioren, die zu Jahresbeginn oder im Frühjahr ihre Impfung erhalten haben, sollen nach Ende des Sommers eine dritte Impfungen bekommen. Das sagte Gesundheitsministerin Daniela Behrens (SPD) am Dienstag in Hannover. Außerdem will das Land eine breit angelegte Werbekampagne starten, um Unentschlossene zum Impfen zu bewegen und einen möglichst flächendeckenden Schutz zu erreichen.

Auffrischungen in Heimen ab Oktober

Nach Angaben der Ministerin planen die Länder für den Oktober Auffrischungsimpfungen für Senioren in Alten- und Pflegeeinrichtungen. „Im September machen die Impfzentren dicht, und die mobilen Impfteams werden im Oktober in die Alten- und Pflegeheime gehen“, sagte Behrens. Voraussetzung sei aber, dass es bis dahin einen zugelassenen Impfstoff für die Auffrischungsdosis gebe. Behrens rechnet damit, dass der Corona-Schutz ähnlich einer Grippeimpfung jährlich erneuert werden müsse.

Von der sogenannten Herdenimmunität ist Niedersachsen mit derzeit 63,9 Prozent Erstgeimpften und 49,1 Prozent Menschen, die bereits eine zweite Impfung erhalten haben, noch weit entfernt. Wissenschaftler schätzen, dass bei Corona mindestens 80 Prozent der Bevölkerung durchgeimpft sein müssen, um einen Schutz vor großen Ausbrüchen zu bekommen.

Noch eine Million Impfungen nötig

Behrens rechnete vor, dass man bis zum Herbst „noch mindestens eine Million“ Menschen in Niedersachsen mit einer Spritze versehen müsse. „Die Impfquote ist zum jetzigen Moment in Ordnung, aber nicht, um gut durch den Winter zu kommen.“ 11 Prozent der Niedersachsen könnten nicht gimpft werden, weil sie jünger als zwölf Jahre seien und für Kinder dieser Altersgruppe noch kein Medikament zugelassen sei. Bei weiteren 7 Prozent seien Impfungen nicht empfehlenswert.

Das Coronavirus trifft derzeit immer stärker junge Menschen, die zwischen 15 und 35 Jahre alt sind. Nach Auskunft des Sozialministeriums waren von den insgesamt 1260 Corona-Infektionsfällen der vergangenen sieben Tage in Niedersachsen 789 Neuinfektionen in dieser Altersgruppe. „Das entspricht einem Anteil von 62,6 Prozent.“

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Werbekampagne soll Zweifler überzeugen

Die Impfkampagne der Landesregierung richtet sich vornehmlich an junge Erwachsene und Menschen mittleren Alters, um dort für Impfungen zu werben. Das Land hat für die Kampagne, die crossmedial ausgerichtet ist, Ausgaben von 3,6 Millionen Euro eingeplant. Die Kampagne läuft in neun Sprachen und soll am 2. August beginnen.

Die Feuerwehr hat am Flughafen den Ernstfall simuliert. Quelle: Rainer Droese

Kräftig zugelegt haben nach Behrens’ Worten die Impfungen von Kindern und Jugendlichen in Niedersachsen. So hätten mittlerweile 26,2 Prozent der Zwölf- bis 17-Jährigen eine erste Impfung bekommen. „Das ist ein erfreulicher Schub.“ Nach Behrens Worten hat mittlerweile die von der Ansteckung her wesentlich aggressivere Deltavariante das Regiment in Niedersachsen übernommen.

Kommunen bekommen Spielraum

Weil es zuletzt oft zu Ansteckungen in Diskotheken und Shisha-Bars gekommen ist, verschärft das Land in diesen Punkt die Corona-Verordnung. Bereits ab einer Inzidenz von zehn Infektionen innerhalb einer Woche pro 100 000 Einwohner müssen diese Einrichtungen geschlossen werden. Für klassische Bars, in denen nicht getanzt wird, gelte diese Regelung nicht, betonte Claudia Schröder vom niedersächsischen Sozialministerium. Zudem lässt die Verordnung den Kommunen einen Ermessensspielraum, bevor sie Verschärfungen durchsetzen.

Neue Verordnung im Herbst

Behrens schätzt, dass im Herbst eine neue Corona-Verordnung kommt, die sich nicht alleine an den Infektionen orientiere, sondern auch die Belastung der Krankenhäuser und der jeweiligen regionalen Impfquote. Dies müssten die Ministerpräsidenten und das Kanzleramt vereinbaren. Die Ministerin bekräftigte, dass „der Boris Johnson-Weg keiner für Niedersachsen“ sei. Großbritanniens Premierminister Johnson hat nahezu alle Einschränkungen trotz steigender Inzidenzen aufgehoben.

Von Michael B. Berger