Coronavirus: Empörung in Niedersachsen über Mietstopp von Großfirmen
Menü
Hannoversche Allgemeine | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Niedersachsen Empörung in Niedersachsen über Mietstopp von Großfirmen
Nachrichten Politik Niedersachsen

Coronavirus: Empörung in Niedersachsen über Mietstopp von Großfirmen

Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
18:02 29.03.2020
Der weltweit zweitgrößte Sportartikelhersteller Adidas ist in die Kritik geraten, weil das Unternehmen wegen der Coronavirus-Pandemie die Mietzahlungen für seine Filialen in Deutschland gestoppt hat.
Der weltweit zweitgrößte Sportartikelhersteller Adidas ist in die Kritik geraten, weil das Unternehmen wegen der Coronavirus-Pandemie die Mietzahlungen für seine Filialen in Deutschland gestoppt hat. Quelle: Daniel Karmann/dpa
Anzeige
Hannover

Der Stopp von Mietzahlungen finanzstarker Firmen wegen der Corona-Krise sorgt auch in Niedersachsen für Empörung. Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) forderte die betreffenden Unternehmen auf, ihr Verhalten „sehr schnell“ zu korrigieren. Wirtschaftsminister Bernd Althusmann CDU) sprach von einem „vollkommen falschen Signal“. Auch mehrere Bundesminister, der Deutsche Mieterbund und der Eigentümerverband Haus & Grund hatten das Vorgehen kritisiert.

Großunternehmen wie der Markenhersteller Adidas sowie die Handelsketten Deichmann und H&M hatten wegen der angeordneten Ladenschließungen die Mietzahlungen für ihre Filialen eingestellt. Deichmann sprach von einer „präventiven Maßnahme, um die wirtschaftliche Handlungsfähigkeit des Unternehmens zu erhalten“. Adidas betonte, der Konzern wolle privaten Vermietern seiner Läden unverändert die Miete zahlen. Die meisten eigenen Geschäfte würden von Immobilienvermarktern und Versicherungsfonds angemietet, die für den vorläufigen Mietzahlungsstopp „überwiegend Verständnis gezeigt“ hätten.

Weil: „Es ist ein Unding“

„Es ist ein Unding, wenn Großunternehmen in offenbar abgestimmter Weise jetzt Mietzahlungen einstellen“, sagte Weil der HAZ. Bis vor kurzem hätten gerade diese Unternehmen sehr gute Geschäfte gemacht. „Ich erwarte von diesen Unternehmen, dass sie sich selbst sehr schnell korrigieren.“ Althusmann betonte, dass in der jetzigen Situation der Zusammenhalt und gegenseitige Unterstützung wichtiger als jemals zuvor seien. „Während bei allen Mietern die Kosten wie bisher weiterlaufen, sollten gerade die finanzstarken Unternehmen mit unterstützendem Beispiel voran gehen statt ihren Verlust weiterzugeben und die Zahlungsunfähigkeit von Dritten zu provozieren“, sagte Althusmann der HAZ.

„Jede Form von Ethik über Bord geworfen“

„Es darf nicht sein, dass die Corona-Hilfen von Großkonzernen, die liquide sind, missbraucht werden“, erklärte die SPD-Fraktionschefin im Landtag, Johanne Modder. „Offensichtlich zeigt sich bei einigen Unternehmen, die sonst im Marketingkontext die soziale Verantwortung großschreiben, dass in Krisenzeiten solidarisches Verhalten und jede Form von Ethik über Bord geworfen werden.“ Ein solches Verhalten sei beschämend. „Ein Unternehmen, das wie Adidas in 2019 zwei Milliarden Euro Gewinn gemacht hat, kann jetzt nicht einfach die Mietzahlungen für seine Filialen einstellen“, kritisierte CDU-Fraktionschef Dirk Toepffer. Das sei unsolidarisch und ein schlechtes Vorbild.

Das tägliche HAZ Corona-Update als Newsletter Alle News zum Coronavirus in Hannover täglich gegen 6 Uhr im E-Mail-Postfach.
 

Coronavirus: Das sollten Sie gelesen haben

Von Marco Seng