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Niedersachsen Das Land zeigt Herz für seltene Tiere
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20:59 09.11.2009
Von Saskia Döhner
Mit dem 25-Millionen-Euro-Programm brechen für den Großen Brachvogel bessere Zeiten an. Quelle: ddp
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Für den Großen Brachvogel, den Rotmilan und die Gelbbauchunke brechen in Niedersachsen bessere Zeiten an: Nach 30-jährigem Streit um die Ausweisung von Vogel- und Naturschutzgebieten nach EU-Recht geht es jetzt um die praktische Umsetzung: „Die reine Ausweisung von Gebieten interessiert kein Tier und keine Pflanze, jetzt müssen konkrete Schutzmaßnahmen folgen“, sagte Umweltminister Hans-Heinrich Sander (FDP) am Montag in Hannover.

Für das europaweite Schutznetz „Natura 2000“ hat Niedersachsen 71 Vogelschutzgebiete und 385 Gebiete nach der Flora-Fauna-Habitat-Richtlinie nach Brüssel gemeldet. Mit einem 25-Millionen-Euro-Programm, das zu 50 Prozent von der EU und zur anderen Hälfte vom Land finanziert wird, sollen die Lebensräume stark gefährdeter Tiere erhalten und ausgebaut werden.

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In der Weser-Ems-Region werden beispielsweise Moore wiedervernässt und Feuchtgrünlandgebiete geschaffen, damit sich dort der Große Brachvogel weiterhin wohlfühlt. Rund 1700 Brutpaare leben in Niedersachsen, das sind mehr als die Hälfte des Gesamtbestandes in Deutschland. „Niedersachsen kommt hier eine besondere Verantwortung zu“, sagte Heike Bockmann. Die frühere SPD-Landtagsabgeordnete aus Oldenburg ist seit Mai die Leiterin des Bereichs Naturschutz beim Niedersächsischen Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN). Die Behörde hat Leitlinien für die Landkreise erstellt, die ihnen die Umsetzung des Programms erleichtern. Daraus ist etwa ersichtlich, ob eine gefährdete Tierart in dem Gebiet häufig vorkommt oder nicht. „Je mehr Tiere es in einem Gebiet gibt, desto mehr lohnen sich dort intensive Schutzmaßnahmen“, betonte Bockmann am Montag.

Im Eichsfeld ist der Rotmilan ein besonders schützenswerter Vogel. Um die noch rund 900 Brutpaare zu erhalten dürfen ihre Horstbäume nicht gefällt werden. Dem Rotmilan fehlt als Aasfresser zudem oft die Nahrung, wenn etwa zunehmend Müllkippen geschlossen werden. Abhilfe könnte geschaffen werden, indem Rehe und Hirsche, die eines natürlichen Todes gestorben oder bei einem Unfall ums Leben gekommen sind, nicht entsorgt werden, sondern am Wegesrand liegen bleiben. „Das erfordert ein Umdenken, möglicherweise auch bei Jägern und Wanderern“, sagte Sander.

Nicht nur seltene Vögel, sondern auch andere vom Aussterben bedrohte Arten wie die Gelbbauchunke, die meist in Tongruben und Kiesteichen in den Kreisen Hildesheim und Holzminden vorkommt, sollen mithilfe des 25-Millionen-Programms gerettet werden.

Saskia Döhner 09.11.2009
08.11.2009