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Niedersachsen Das Thema Sexualkunde polarisiert
Nachrichten Politik Niedersachsen Das Thema Sexualkunde polarisiert
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09:42 20.09.2014
Für Toleranz waren die einen, gegen „Frühsexualisierung“ die anderen: Berittene Polizisten trennten die Demonstranten vor dem Sozialministerium am Freitagmittag. Quelle: Nolden
Hannover

„Das Thema ist zu wichtig, als dass es zwischen politischen Polen zerrieben werden darf“, sagte Karin Bertholdes-Sandrock (CDU). Seit gut einem halben Jahr debattieren die Schulpolitiker über einen gemeinsamen Antrag von Rot-Grün, in dem es heißt, die Schule habe den Auftrag, alle Kinder in ihrer Individualität anzunehmen und bei der Entwicklung ihrer Persönlichkeit zu unterstützen. Das gelte auch bei der sexuellen Orientierung. Homosexualität, aber auch Bi-, Trans- und Intersexualität müssten verbindlich thematisiert werden, und zwar am besten nicht von heterosexuellen Lehrern, sondern von persönlich Betroffenen.

Das Kultusministerium legte gestern im Ausschuss dar, dass sexuelle Orientierung schon jetzt fester Bestandteil im Lehrplan sei. „Sexualität wird in allen Schuljahrgängen und Schulformen thematisiert. Im Primarbereich ist sie Thema im Sachunterricht, im Sekundarbereich I Thema des Biologieunterrichts“, sagte eine Sprecherin. Auch in Fächern wie Religion und Werte und Normen werde über Partnerschaft gesprochen.

Toleranz gegenüber Homosexualität und der Vielfalt sexueller Identitäten ergebe sich grundsätzlich aus dem Bildungsauftrag des Schulgesetzes. Nach Ansicht von Ina Korter (Grüne) reichen die bisherigen Bestimmungen aber nicht aus. Die Lehrer sollten schon in ihrer Ausbildung für das Thema sensibilisiert werden, fordert Rot-Grün in dem Antrag. Schulbücher und Lehrpläne sollten sexuelle Vielfalt stärker berücksichtigen.

Auch Björn Försterling (FDP) sieht dringenden Handlungsbedarf. „Es geht nicht um sexuelle Früherziehung, sondern um die Vermittlung von Toleranz und Akzeptanz, in der jeder seine eigene Identität, auch die sexuelle, entwickeln kann.“ Bertholdes-Sandrock warnte davor, Gäste von außerhalb mit Schülern ohne Lehrer allein im Klassenzimmer zu lassen, seien es Vertreter von homosexuellen Selbsthilfegruppen oder der Bundeswehr: „Das halte ich für pädagogisch bedenklich.“ Försterling entgegnete: „Ohne Lehrer im Raum öffnen sich viele Jugendliche mehr.“

Von der Sachlichkeit, die der Kultusausschuss so einmütig einforderte, war derweil draußen vor dem Landtag wenig zu spüren: Sieben Anhänger der Freien Wähler demonstrierten gegen „Frühsexualisierung an Grundschulen“, hinter einer entsprechenden Petition steht die Gruppe Agens, die bereits einen ähnlichen Antrag mit viel öffentlichem Getöse in Baden-Württemberg verhindert hat. Ungleich größer als die Demonstration der Freien Wähler war die Gegenversammlung, zu der unter anderem einige Studentengruppen spontan aufgerufen hatten: 120 Teilnehmer zählte die Polizei, ein Demonstrant wurde vorübergehend festgenommen.  

Von Saskia Döhner
und Jörn Kießler

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