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Niedersachsen David McAllister reist nach Israel
Nachrichten Politik Niedersachsen David McAllister reist nach Israel
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12:06 23.08.2012
Ministerpräsident David McAllister (CDU) wird in der kommenden Woche mit zwei sachkundigen Begleitern zusammen nach Israel reisen. Quelle: dpa
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Hannover

Niedersachsens Ministerpräsident David McAllister (CDU) reist vom 28. bis 30. August in fachkundiger Begleitung nach Israel: Dabei sind zwei Nahost-Experten aus Hannover - der Chef des Landesverbandes der Jüdischen Gemeinden, Michael Fürst, und der Leiter der palästinensischen Gemeinde der Landeshauptstadt, Yazid Shammout. Beide pflegen einen besonderen Dialog, von dem sie hoffen, dass er weite Kreise zieht und sich auch positiv auf den Konflikt zwischen Juden und Arabern auswirkt.

Wie kam der jüdisch-palästinensische Dialog in Hannover zustande?

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Der Kontakt entstand Anfang 2009 auf Initiative von Shammout. Am 1. Mai desselben Jahres traten Vertreter beider Seiten dann erstmals gemeinsam öffentlich auf. Sie nahmen an einer Gewerkschaftskundgebung gegen einen geplanten Neonazi-Aufmarsch teil. Fürst und Shammout bauten den Dialog danach aus. In diesem Jahr stiegen sie bei einem Drachenbootrennen auf dem Maschsee symbolträchtig ins gleiche Boot.

Was ist das Besondere an diesem Dialog?

Fürst und Shammout bezeichnen den Dialog in Hannover als bundesweit einmalig. Es geht nicht um eine Übereinstimmung in politischen Fragen, sondern um einen Austausch zwischen Juden und Arabern - ein Verhältnis, das im Nahen Osten durch Konfrontation und nicht durch Kooperation geprägt ist. Nach der Annäherung zwischen Fürst und Shammout gab es Gespräche auf Vorstandsebene und weitere Treffen. Angestrebt wird jetzt, dass sich palästinensische und jüdische Kinder in Hannover besser kennenlernen.

Was erwartet der jüdische Verbandschef von der Reise?

Der in Hannover geborene Fürst wertet den Besuch McAllisters als Zeichen für die Verbundenheit mit dem Staat Israel. Er geht auch davon aus, dass die gute Zusammenarbeit in Nahost Beachtung findet. „Das, was wir in Hannover machen, kann Kreise ziehen. Wir können nicht die israelisch-palästinensische Politik verändern. Aber wir können das Denken verändern“, sagt der 65-jährige Rechtsanwalt, der den Landesverband seit 32 Jahren leitet.

Wie ist die palästinensische Sicht?

In den palästinensischen Gebiete ist man laut Shammout angenehm überrascht von der funktionierenden Zusammenarbeit in Hannover. "Man heißt das hochwillkommen. Es wird als sehr positiv aufgenommen, dass auch ein Palästinenser den Ministerpräsidenten begleitet und es nicht nur einen Pflichtbesuch in Palästina gibt. Wichtig ist, dass man nicht nur mit einem Auge guckt, sondern mit zweien", sagt der in Beirut geborene Shammout, der Geschäftsführer eines Unternehmens ist, das Senioren- und Pflegeheime betreibt.

Wie hat sich das Judentum in Niedersachsen zuletzt entwickelt?

In Niedersachsen leben knapp 10.000 Menschen jüdischen Glaubens. Die Gemeinden sind in zwei Landesverbänden organisiert. Zunächst gab es nur den von Fürst geleiteten Landesverband der Jüdischen Gemeinden von Niedersachsen, dem 13 Gemeinden angehören. Sieben liberale Gemeinden haben sich 1997 zum Landesverband der israelitischen Kultusgemeinden von Niedersachsen zusammengeschlossen.

Und wie viele Palästinenser leben hier?

In Niedersachsen leben rund 2000 Palästinenser, etwa 800 davon allein in Hannover. Etwa die Hälfte von ihnen sind Flüchtlinge aus dem Westjordanland oder dem Gaza-Streifen. Bei den anderen handelt es sich laut Shammout um Nachfahren dieser Flüchtlinge, die ihre Heimat im israelischen Unabhängigkeitskrieg 1948 oder im Sechs-Tage-Krieg 1967 verlassen hatten.

dpa

23.08.2012
Klaus Wallbaum 22.08.2012
22.08.2012