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Niedersachsen Die Nordsee wird zur Badewanne
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22:44 02.07.2009
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Die Badegäste freut’s: Nord- und Ostsee werden immer wärmer. Quelle: David Hecker/ddp
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Umweltschützer und Klimaforscher teilen die Begeisterung für die angenehmen Wassertemperaturen indes nicht. Aus ihrer Sicht besteht Anlass zur Sorge, denn Nord- und Ostsee werden immer wärmer. Trotz des vergleichsweise kühlen und windigen Junis sind die Wassertemperaturen in diesem Sommer wieder einmal auf Rekordkurs. 18 Grad waren es am Donnerstag um Norderney, 19 Grad bei der Ostseeinsel Rügen. Hält das sonnige Wetter an der Küste an, rechnen Experten mit Werten, wie sie in den Ausnahmejahren 2003 und 2006 erreicht wurden.
Wird die Nordsee langsam zum Mittelmeer? Hartmut Heinrich vom Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie (BSH) in Hamburg sieht dafür noch in diesem Jahrhundert gute Chancen.

Für den Wissenschaftler, der zuständig ist für die Physik des Meeres, ist klar, dass sich der Klimawandel auch in den Wassertemperaturen immer deutlicher abzeichnet. Der Trend hält nach Angaben Heinrichs bereits seit mehr als 20 Jahren an. Üblicherweise wechselten sich in der Nordsee Warm- und Kaltphasen alle acht bis zwölf Jahre ab. Seit 1987 aber hält laut BSH nun schon die warme Phase an.

Die Hamburger Forscher machen seit Jahren Messungen in Nord- und Ostsee – mithilfe von unterseeischen Sensoren auch in der Tiefe. Und auch nahe dem Meeresboden wird es demnach wärmer. In 40 Meter Tiefe ist das Nordseewasser derzeit um 13 Grad warm, im vorigen Jahrhundert waren es durchschnittlich elf Grad. Noch heftiger reagiert das Binnenmeer Ostsee auf den Klimawandel. Im Arkonabecken registrierten die Messsonden Mitte Juni in 40 Metern Tiefe bereits elf Grad, vier Grad mehr als im Jahresschnitt bis 2000.

Wissenschaftler Heinrich bewahrt dennoch einen kühlen Kopf: „Wir müssen uns auf Veränderungen einstellen“, resümiert er knapp. Peter Südbeck, Leiter des Nationalparks Niedersächsisches Wattenmeer, hat diese bereits beobachtet. Der Kabeljau, einst nordseetypische Fischart, ist in den Atlantik abgewandert. Auch Garnelen und Krabben flüchten ins kühlere Nass. Doch es gibt auch Einwanderer. Bis zu 50 fremde Arten fühlen sich inzwischen in der Nordsee heimisch, darunter die Pazifische Auster und, gut für Pizzafreunde, Anchovis.

„Ich will kein Katastrophenszenario heraufbeschwören, die Nordsee wird sicher nicht zum Mittelmeer“, sagt Naturschützer Südbeck. „Aber wir müssen die menschengemachten Klimaveränderungen begrenzen, denn wir wissen nicht genau, welche Folgen die Veränderungen für das empfindliche Wattenmeer haben.“ Die Nordseeurlauber, vermutet Südbeck, fühlten sich auch im kühlen Wasser wohl.

02.07.2009
Klaus Wallbaum 02.07.2009