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Niedersachsen Die neue Fleischeslust der Grünen
Nachrichten Politik Niedersachsen Die neue Fleischeslust der Grünen
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10:04 28.06.2012
Von Klaus Wallbaum
Auch die Grünen lieben deftige Hausmannskost. Quelle: dpa
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Hannover

Auch unter den Grünen, die gesunde Ernährung predigen, soll es Anhänger deftiger Hausmannskost geben. Das wird beim bevorstehenden Landesparteitag am Wochenende in Wolfsburg deutlich. Der Kreisverband Aurich-Norden hat beantragt, vom strikten Gebot der vegetarischen Kost während des Delegiertentreffens abzuweichen. Die Beschränkung auf pflanzliche Nahrung sei „nicht sinnvoll“. Der Landesvorstand indes gibt dem Vorstoß keine Chance: Wegen der zeitraubenden Listenaufstellung fehle genügend Zeit, sich mit dem Catering auf Parteitagen eingehend zu beschäftigen.

Seit vielen Jahren gilt bei Grünen-Parteitagen das Prinzip, dass nur vegetarische Mahlzeiten angeboten werden dürfen. Das schmeckt nicht allen Delegierten, aber die Öko-Partei will in diesem Punkt absolute Prinzipienfestigkeit demonstrieren. Die Grünen aus Aurich-Norden rütteln nun daran. Auch sie wollen, dass bevorzugt „regionale Produkte“ von ökologisch wirtschaftenden Bauernhöfen auf den Tisch kommen. Dies sollten Erzeugnisse sein, die im Umkreis von 80 Kilometern hergestellt oder verarbeitet worden sind. Leitungswasser solle den Delegierten kostenfrei ausgeschenkt werden. Aber: Fleisch dürfe künftig kein Tabu mehr sein.

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Die Ostfriesen begründen ihren Vorstoß agrar- und umweltpolitisch korrekt: Zum einen gebe es in Niedersachsen viele Gebiete, auf denen sich Ackerbau nicht lohne. Wenn dort das Vieh auf den Weiden grast, sei das ein „wichtiges Standbein der bäuerlichen Landwirtschaft“. Überleben könne diese naturnahe Wirtschaftsform aber nur, wenn das Schlachtvieh auch verkauft werde. Für ökologisch wertvoll halten die Antragsteller Schafherden, da diese Tiere beispielsweise überwachsene Moorflächen abnagen und das Moor so intakt halten. Es gebe aber nur wenige Schafherden, da deutsches Lammfleisch im Handel kaum nachgefragt werde. Wenn es für das Halten von Schafen mehr wirtschaftliche Anreize gebe, nütze dies am Ende auch der Natur, heißt es im Antrag.

Sollen also bald Mettigel auf Parteitagen verzehrt werden – passend zum Maskottchen der Grünen Jugend, dem Igel? Der Landesvorstand beurteilt das Ansinnen der Ostfriesen zurückhaltend. Es sei ganz schwer, den Caterern konkrete Vorgaben zum Herstellungsort der Produkte zu machen, meint die Vorsitzende Anja Piel. Vegetarische Kost sei leichter durchzusetzen - und dabei will sie es auch bewenden lassen. Allerdings gibt es prominente Grüne, denen der Antrag aus Aurich aus dem Herzen spricht. Jürgen Trittin etwa liebt den Genuss von saftigen Steaks. Und bei der 30-Jahr-Feier der Landtagsfraktion vergangene Woche wurde auch Grillfleisch serviert. Kleiner Trost für Hardliner: Es war keine gewöhnliche Bratwurst, sondern ein Bio-Produkt mit Fleisch aus ökologischer Landwirtschaft.