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Niedersachsen Droht „Schulkrieg“ in Niedersachsen?
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00:15 20.04.2013
Von Bärbel Hilbig
Will Haupt- und Realschule erhalten: OB-Kandidat Stefan Schostok. Quelle: dpa
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Hannover

Für die einen ist es „das Frühlingserwachen für die Schulen“, für die anderen „der Beginn eines Schulkriegs“ – die geplante Schulgesetznovelle hat am Mittwoch im niedersächsischen Landtag heftige Debatten ausgelöst. SPD und Grünen wollen das verkürzte Abitur an Gesamtschulen verhindern und auch die Neugründung kleinerer Gesamtschulen erlauben. Vor allem Letzteres stößt auf Gegenwehr bei der Opposition. Sie fürchtet um den Bestand der kleinen Gymnasien auf dem Land.

FDP-Bildungsexperte Björn Försterling sagte: „Dies ist der erste Schritt, um aus Niedersachsen ein Einheitsschulland zu machen.“  Zwei von drei Gymnasien stünden dadurch auf der Kippe. Man könne nicht mehr sagen, Rot-Grün lege die Axt ans Gymnasium. „Das ist vielmehr Brandrodung.“ SPD und Grüne wiesen die Vorwürfe zurück. Man wolle lediglich die Gründung kleinerer Integrierter Gesamtschulen ermöglichen. Kultusministerin Frauke Heiligenstadt (SPD) sagte, ihr Ziel sei Bildungsgerechtigkeit, und dabei spielten Gesamtschulen eine zentrale Rolle.

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Schostok gegen Aus von Haupt- und Realschule

Der SPD-Kandidat fürs Oberbürgermeisteramt sichert Hauptschulen und Realschulen weiter ihren Bestand zu. „Wir schaffen keine Schulform ab in Hannover. Es gibt da keine politische Marschrichtung“, betont Stefan Schostok. Schuldezernentin Marlis Drevermann hatte am Vortag das Ziel der Verwaltung vorgestellt, diese Schulformen in Integrierte Gesamtschulen umzuwandeln, da sie angesichts der sinkenden Schülerzahlen langfristig keine Perspektive hätten.

Schostok legt Wert darauf, dass es kein zielgerichtetes Konzept geben soll. „Wir wollen für die Schulentwicklungsplanung mit Eltern und Lehrern in den Dialog gehen. Der Elternwille steht aus meiner Sicht an erster Stelle.“ Wenn zwölf Prozent der Eltern für ihr Kind die Realschule und gut drei Prozent die Hauptschule wählen, sei das ernst zunehmen. „Wir haben hier in Hannover alle Gestaltungsmöglichkeiten, da muss man offen sein.“

Silvia Bruns, Schulfachfrau der FDP-Ratsfraktion, plädiert für Vielfalt der Schulformen. „Die Interessenten für eine Oberschule wurden immer vertröstet auf den angekündigten Schulentwicklungsplan.“ Jetzt erscheine vieles schon festgelegt.

An den Hauptschulen und Realschulen gebe es schon seit einigen Jahren Diskussionen über die Zukunft der beiden Schulformen, sagt Klaus Ihl, Sprecher der hannoverschen Realschulleiter. Aus Ihls Sicht hatten die Realschulen bereits unter der vorherigen CDU/FDP-Landesregierung einen schlechten Stand. Die reale Situation an den noch bestehenden Realschulen sei von politischer Seite nicht mehr wahrgenommen worden. In Großstädten wie Hannover fänden sich an Realschulen viele Schüler, die zusätzliche Unterstützung benötigten. Doch Sozialpädagogen, Förderstunden oder Ganztagsangebote habe es für Realschulen kaum gegeben. „Wir fühlten uns auf dem Abstellgleis. Es ging nur noch um Oberschulen und Gymnasien.“

Deshalb diskutierten die Schulleiter bereits selbst über die Vorteile einer Umwandlung in Oberschule oder IGS. Ihl rechnet damit, dass die Gesamtschulen unter der neuen Landesregierung jetzt wieder besser ausgestattet werden. Eine Umwandlung von Realschule in IGS werde damit attraktiver. „Ich persönlich sehe es als eine Art der Weiterentwicklung. Durch die bevorstehende Inklusion Behinderter ist es ein Gebot der Zeit, integrativ zu arbeiten.“ Andere Lehrer würden ein Ende der Realschule aber sicher bedauern.

IGS Südstadt: Die Integrierte Gesamtschule Südstadt, die im August an den Start geht, informiert am Donnerstagabend um 18 Uhr in den Räumen der Bertha-von-Suttner-Schule am Altenbekener Damm 20. Außerdem bieten die Lehrer Elternsprechtage am 24. April, 2., 16. und 23. Mai, jeweils von 16 bis 18 Uhr. Sieben Lehrer bereiten in einer Planungsgruppe die Schulgründung vor. Die Schule wird an vier Wochentagen ein offenes Ganztagsangebot machen. Schüler mit unterschiedlichem Leistungsniveau lernen überwiegend gemeinsam, mit differenzierten Aufgaben und Methoden. Vorgesehen ist auch fächerübergreifender Unterricht.

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Beim neuen Schulgesetz zu den Gesamtschulen sollen doch mehr Verbände mitwirken. Das haben SPD und Grüne kurz vor der Landtagsdebatte am Mittwoch angekündigt. Nicht nur die Kommunalverbände, sondern auch Eltern- und Schülervertreter sollen sich mündlich äußern können.

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