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Niedersachsen Tempo, Tempo bei der Fleischbeschau
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22:38 05.12.2013
Von Karl Doeleke
Die EU plant laxere Kontrollen auf Schlachthöfen. Quelle: dpa (Symbolfoto)
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Hannover

Eine geplante europaweite Lockerung des Kontrollniveaus bei der Fleischbeschau in Schlachthöfen stößt auf Widerstand der Landesregierung. „Bedenklich“ sei das, was die EU für die Untersuchung von Schweinen plant: Die Intensität der Gesundheitskontrollen soll auf Vorschlag der Kommission deutlich reduziert werden. Offenbar wollte die Industrie das so. Der Verband der Fleischwirtschaft rühmt sich in einem Schreiben an seine Mitglieder, man habe sich große Mühe gegeben, „den sich regenden Widerstand“ der EU-Parlamentarier zu zerstreuen.

„Visuelle Fleischbeschau“ heißt der Vorschlag, den das Europäische Parlament kürzlich dann doch durchgewunken hat: Vom 1. Juni 2014 an sollen geschlachtete Tiere in der Regel nicht mehr eingehend untersuchen werden. Bisher haben die Kontrolleure das Fleisch und die Innereien abgetastet und angeschnitten: Gibt es Verschmutzungen, Hautveränderungen, Abszesse am Schlachtkörper? „Um etwa die Infektionskrankheit Rotlauf festzustellen, muss man das Herz aufschneiden“, erklärt der Präsident der Bundestierärztekammer, Theodor Mantel. Rotlauf ist eine Hautkrankheit, die vom Schwein auf den Menschen übertragen werden kann.

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Stattdessen soll in Zukunft eine oberflächliche Betrachtung am Fließband reichen. Nur bei offensichtlichen Auffälligkeiten soll der Tierkörper dann genauer untersucht werden, so wie es derzeit laut EU-Verordnung noch Standard ist: Die amtlichen Fleischbeschauer schneiden in das Herz der geschlachteten Tiere, in die Luftröhre, die Lunge und in die Lymphknoten.

Bei der Landesregierung stößt das auf Ablehnung. „Die Untersuchung allein auf visueller Grundlage könnte weitreichende Folgen haben“, warnt Agrarminister Christian Meyer im Gespräch mit der HAZ. „Der Verbraucherschutz“, fürchtet der Grünen-Politiker, „könnte unterlaufen werden.“ Außerdem seien gerade in großen Schlachthöfen Verstöße gegen die Vorgaben nur noch schwer zu entdecken. Meyer kündigt Widerstand an: „Niedersachsen wird sich weiter dafür einsetzen, dass die Kontrollen nicht lascher werden.“

Verbraucherschützer halten die Pläne der EU für verheerend. „Das bedeutet, dass potenziell Tiere in Umlauf geraten, die Krankheitserreger tragen“, warnt etwa Matthias Wolfschmidt von Foodwatch. Die EU-Kommission argumentiert genau andersherum: Durch das Abtasten und Anschneiden könnten Erreger von einem Schlachtkörper zum anderen übertragen werden. Das sei Unsinn, meint die Bundestierärztekammer. Hygienemaßnahmen wie der vorgeschriebene Wechsel der Messer würden das verhindern.

Kritiker der Neuregelung meinen, in Wahrheit gehe es um etwas ganz anderes. Herbert Ahrens ist Landesvorsitzender der amtlichen Fachassistenten, wie die kommunalen Fleischbeschauer heißen. Er sagt: „Es geht ums Geld. Die Bänder laufen immer schneller.“ In den meisten Schlachthöfen wird Akkordlohn bezahlt. Fleischbeschauer könnten daher unter Druck geraten, wenn sie die Bänder anhalten wollen, um einen Schlachtkörper genauer zu untersuchen, warnen Kritiker der Neuregelung.

Zunächst gilt die Reform nur für Schweine. Verbraucherschützer glauben aber, dass die Regeln für eine laxere Fleischbeschau demnächst auch auf andere Tierarten ausgedehnt werden.

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