Menü
Hannoversche Allgemeine | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Niedersachsen Ein Besuch bei Familie McAllister in Bad Bederkesa
Nachrichten Politik Niedersachsen Ein Besuch bei Familie McAllister in Bad Bederkesa
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
20:02 29.12.2010
Von Michael B. Berger
Der Hausherr macht den Weg frei: Ministerpräsident David McAllister beim Schneeschippen vor dem Haus in Bad Bederkesa. Quelle: Philipp von Ditfurth
Anzeige

„Das werden Sie ganz leicht erkennen, ein rotes Backsteinhaus gegenüber dem Wald, davor ein großer Findling.“ Tatsächlich, der Ortskundige von Bad Bederkesa hatte recht. Die McAllisters sind leicht zu finden. Wenn man den Findling, ein Riesending wie aus der Steinzeit, erst einmal vor dem Hauseingang entdeckt hat. „McAllister“ steht auf dem großen Stein, und vor der Garage parkt ein schwarzer VW-Touran mit dem Kennzeichen „Cux Mc 1“. Das kann kein Zufall sein. Hier wohnt er wohl, der niedersächsische Ministerpräsident. Wo McAllister draufsteht, wird McAllister drin sein.

Da steht er also in der Haustür. In Hausschuhen. „Sie können Ihre anbehalten“, sagt die sympathische Dunja McAllister, während die siebenjährige Tochter Mia Louise und ihre nur eineinviertel Jahr ältere Schwester Jamie Elisabeth die Gäste aus Hannover fröhlich johlend begrüßen. „Ich habe hier nichts zu sagen, hier führen die Frauen Regie“, sagt der Hausherr und lächelt sanft. Stimmt. „Die sind jetzt so aufgedreht, weil wir sonst selten Männerbesuch haben“, sagt Dunja. Tatsächlich trifft der Ministerpräsident, wenn er unter der Woche einmal in Bad Bederkesa und nicht in Hannover übernachtet, hier in erster Linie auf Mütter- und Kindergruppen. Die aufgeweckten Töchter beherrschen die Szenerie. Sie registrieren genau, wenn der Dienstwagen aus Hannover vorfährt oder wenn Papa sonntags Zeitschriften per Boten bekommt. „Focus und Spiegel“, sagen die Töchter. „Wir haben es leider nicht geschafft, einen Schneemann für Sie zu bauen“, sagt Dunja McAllister zu ihren Gästen, die für eine bei Politikerehefrauen berüchtigte Homestory zu Besuch sind – bei einer ganz normalen Familie.

Anzeige

Denn die McAllisters sind, obwohl Ehemann David bereits seit einem knappen halben Jahr Ministerpräsident ist, aufsehenerregend unprätentiös. Wenn das nicht ein Widerspruch in sich wäre. Soweit möglich, verzichtet David McAllister auf die in seiner Politklasse handelsüblichen Auftritte mit diversen Leibwächtern vom LKA. Und das Haus der beiden mit dem freien Blick in den großen, schönen Garten hat noch nicht einmal einen Zaun. Das allerdings, erzählen sie, wird sich ändern. „Leider“, sagt sie.

Ein gemütliches weißes Sofa vor dem Fernsehschirm, an der Stirnseite des Esszimmers ein paar auf alt getrimmte Möbel, davor ein langer, rechteckiger Tisch, an dessen Kopfende David McAllister Platz nimmt. „Hier sitze ich immer und lese Zeitung“, sagt er. Das Haus ist stilvoll eingerichtet, ohne zu protzen. „Ein Nullenergiehaus, das mit Erdwärme geheizt wird“, sagt er. „Für die Bedienung der Entlüftung brauchen Sie ein Fortbildungsseminar“, sagt sie. Seit 2006 wohnen die McAllisters hier, haben auf einem Familiengrundstück neu gebaut, auch wegen der hohen Umweltstandards. Dunja McAllister bringt Kaffee und Tee. Sie, Volljuristin wie er, arbeitet als Hausfrau. „Fotos, wie David die Tassen in die Geschirrspülmaschine stellt, finde ich doof“, sagt sie, freundlich und bestimmt. Denn für gestellte Aufnahmen ist sie, die die Arbeitsteilung mit ihrem Mann bewusst eingegangen ist, nicht zu haben.

Wie hält er es mit der Hausarbeit? „Ich koche mitunter chinesisch“, sagt er feixend. „Take away“, ergänzt sie. Aha, also gar nicht. Welche Rolle sie denn spiele? „Ich habe nicht vor, eine Rolle zu spielen“, sagt sie knapp und lächelt charmant.

In die Politik ihres Mannes mischt sich Dunja, die David bereits Anfang der neunziger Jahre kennengelernt hat, nicht ein. Sie ist auch in keiner Partei. Dafür kümmert sie sich aber nicht nur um eine behinderte Großmutter, die am Ort wohnt, sondern engagiert sich auch für die zwei Schirmherrschaften, die sie vor Kurzem übernommen hat: für die Opferhilfe und die diakonischen Einrichtungen „Bethel des Nordens“. „Als gebürtige Dortmunderin bin ich mit Bethel großgeworden. Die kümmern sich um Alten-, Familien- und Suchthilfe, um sehr, sehr vieles.“

Politik ist übrigens zu Hause kaum ein Thema. Sicher, wenn der Mann eine Ministerin entlassen will „und mit echten Sorgenfalten“ nach Hause kommt, dann gibt es Gesprächsstoff. Aber mit der Kungelei, die manches mal auch zur Politik gehört, will Frau McAllister nichts zu tun haben.

„Der Ferkeltisch ist gedeckt“, ruft Dunja aus der Küche neben dem Esszimmer den beiden Töchtern zu, die gerade auf dem Vater herumturnen. Sie machen dabei das „Länderspiel“, eine Art Silbenergänzungsspiel, bei dem David McAllister „Po“ ruft und die Töchter „len“ ergänzen, oder „Sy“ und „rien“, oder „Para“ und „guay“. Nur aus Rumänien wird bei diesem Treiben schnell „Rumä-sien“. „Und jetzt Städte und Dörfer“, ruft der Papa, der so selten zu Hause ist. „Für die Bildungsvermittlung ist übrigens David zuständig“, sagt Dunja. Das wird wohl ironisch gewesen sein.

Es klingelt, draußen steht der Fahrer, ein Termin in Cuxhaven. Viel Zeit, das Wahlkreisbüro vor dem Haus zu zeigen, bleibt nicht. Hier waren übrigens die Weihnachtsgeschenke der Kinder gelagert, die sie immer erst am 1. Weihnachtstag bekommen. „Nicht wegen der britischen Tradition, sondern weil sie dann ruhiger sind“, sagt David McAllister und bricht auf. In der Tür steht Dunja und winkt den Gästen aus Hannover zum Abschied. Ein freundliches Haus.