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Niedersachsen Ein Komiker will Osnabrück regieren
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08:11 15.04.2013
Foto: Kalla Wefel ist Komiker – und will als parteiloser Kandidat bei der Oberbürgermeisterwahl in Osnabrück antreten.
Kalla Wefel ist Komiker – und will als parteiloser Kandidat bei der Oberbürgermeisterwahl in Osnabrück antreten. Quelle: Bernhard Remmers
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Osnabrück

Osnabrück ist nicht Italien. Aber ähnlich wie in Rom schickt sich jetzt auch in Niedersachsens drittgrößter Stadt ein Komiker an, nach der politischen Macht zu greifen. Der Kabarettist Kalla Wefel tritt im September zur Oberbürgermeister-Wahl an und fordert damit die etablierten Parteien in Osnabrück heraus. Amtsvorgänger und Duz-Freund Boris Pistorius (SPD) war zuvor als Innenminister in die Landespolitik aufgestiegen. Wefels Motive für die Kandidatur sind nicht frei von Eigennutz: „Als Künstler muss ich mich ums Alter kümmern. Es ist die einzige Chance, in kürzester Zeit so viel Rente zu bekommen“, sagt der 61-jährige Spaßvogel.

SPD und Grüne haben mit ihrer Mehrheit im Stadtrat durchgesetzt, dass der Urnengang an einem Tag mit der Bundestagswahl am 22. September über die Bühne gehen soll. Begründung: weniger Kosten und eine voraussichtlich höhere Wahlbeteiligung. Nebeneffekt: Fritz Brickwedde, Generalsekretär der Deutschen Bundesstiftung Umwelt und starker Mann der Osnabrücker CDU, ist im Herbst 65 Jahre alt und darf nicht mehr antreten.

Es läuft nicht wirklich rund bei den Parteien in Osnabrück und ihrer Suche nach OB-Kandidaten. Egal ob CDU, SPD oder Grüne - alle drei kassierten Absagen, bevor sie endlich einen Kandidaten oder eine Kandidatin präsentieren konnten. FDP und Linke halten sich noch zurück.

Für die CDU geht jetzt Noch-Stadtbaurat Wolfgang Griesert ins Rennen. Der Verwaltungsbeamte war bereits 2006 angetreten und musste sich nach einem Achtungserfolg in der ersten Runde in der Stichwahl Pistorius geschlagen geben. Seine Wiederwahl als Stadtbaurat scheiterte vor wenigen Monaten an der rot-grünen Mehrheit in der Ratsversammlung.

Für einen gemeinsamen Kandidaten von SPD und Grünen hat es allerdings nicht gereicht. Schließlich präsentierten die Sozialdemokraten ihre eigene Kandidatin, die Studentenwerks-Geschäftsführerin Birgit Bornemann. In der Kommunalpolitik ist die 61-Jährige noch ein unbeschriebenes Blatt. Nur unwesentlich bekannter ist da der mittlerweile nominierte Kandidat der Grünen, der Rechtsanwalt Thomas Klein.

Wefel gibt sich siegessicher: „Alles unter 80 Prozent für mich wäre doch bei diesen Kandidaten peinlich.“ Er mischt sich bereits in die Osnabrücker Diskussion um ein neues Einkaufszentrum ein. „Der Neumarkt muss zur Wiese werden!“ Wefels Seite bei Facebook zählt mittlerweile knapp 1000 „Gefällt mir“-Klicks. Zahlen, von denen die Parteien in Osnabrück bislang nur träumen können.

Bernhard Remmers

Saskia Döhner 12.04.2013
Klaus Wallbaum 11.04.2013