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Niedersachsen Eltern und Lehrer lehnen Schulgesetz ab
Nachrichten Politik Niedersachsen Eltern und Lehrer lehnen Schulgesetz ab
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14:49 11.02.2015
Von Saskia Döhner
Leistungsvergleichstest an einer Schule. Quelle: dpa
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Hannover

Das neue Schulgesetz ist nach Ansicht von Elternvertretern und Philologenverband ein "Generalangriff auf das Gymnasium". "Das sind keine feinen Nadelstiche mehr, das ist ein trojanisches Pferd, was in die Gymnasien gezogen wird", sagte Petra Wiedenroth, Geschäftsführerin des Verbandes der Elternräte der Gymnasien, am Mittwoch vor Journalisten in Hannover. Damit meinte sie, dass das, was auf den ersten Blick wie eine Wohltat aussehe, sich auf lange Sicht als tödliche Gefahr für die Gymnasien entpuppen werde. Rot-Grün will zum neuen Schuljahr auch an Gymnasien wieder das Abitur nach 13 Jahren einführen, zugleich sollen aber Integrierte Gesamtschulen rechtlich aufgewertet werden. Sie werden dann von einer Angebots- zur Regelschule. Damit müssen Kommunen oder Kreise dann nur noch eine IGS, aber keine andere Form des gegliederten Schulwesens mehr vorhalten. Gymnasien sollen aber weiterhin unter zumutbaren Bedingungen erreichbar belieben. Als zumutbar gilt ein Fahrtweg von jeweils 75 Minuten. "Das heißt, das nächste Gymnasium könnte 50 Kilometer entfernt sein", sagte Wiedenroth, "wer aber will seinen Kindern tatsächlich tägliche Fahrtzeiten von zweieinhalb Stunden zumuten?" Das Elternrecht auf freie Schulwahl sei aber ein Grundrecht. "Durch die Schulgesetznovelle werden wir entmündigt." Eine vielfältiges Bildungsangebot sei die die Voraussetzung für den freien Elternwillen.

Weg zur Einheitsschule ist vorgezeichnet

 "Wo bleibt die Auswahl, wenn es nur noch eine Schule vor Ort gibt?" fragte Horst Audritz, Vorsitzender des Philologenverbandes. Der Weg hin zu einer Einheitsschule sei vorgezeichet, auch durch die geplante engere organisatorische Verzahnung von Grund- und Gesamtschulen. "Die Gymnasien werden schrittweise zurückgedrängt, die Schule vor Ort wird die Gesamtschule werden." Niedersachsen verabschiede sich von einer Kultur des Förderns und Forderns und sei auf dem Weg zu einer rein an Kopfzahlen ausgerichteten Schulpolitik. Die Regierung fordere einerseits eine gesamtstaatliche Bildungsoffensive und lege andererseits die Gestaltungshoheit der Schullandschaft in die Hände der Kommunalpolitik, kritisierte Hartwig Jeschke, stellvertretender Vorsitzender des Verbandes der Elternräte. Aber in Kreisen und Kommunen regiere allzu oft der Rotstift. "Es geht nicht ums Kindeswohl, es geht schlicht um Einsparungen für die Schulträger", sagte auch Helga Olejnik vom Philologenverband. Eltern, die ihre Kinder nicht auf das nächstgelegene Gymnasium schicken wollen, sondern auf auf ein Gymnasium mit einem besonderen Profil, etwa mit einem altsprachlichen Angebot oder einem Musikzweig schicken wollen, müssen die Fahrtkosten für die Schüler künftig komplett allein tragen. Kreise und Kommunen geben nur noch Zuschüsse, wenn eine Schulform angewählt wird, die es in ihrem Gebiet sonst nicht gibt, etwa eine Gesamtschule oder eine Waldorfschule. "Das ist höchst unsozial", sagte Audritz. Damit wählten rund 20 bis 30 Prozent der Eltern derzeit diese Profilklassen ür ihre Kinder aus.

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Online-Petition an Landesregierung

 Mit einer Online-Petition wollen sich Lehrer- und Elternverband gegen die Schulreform der Landesregierung, die in der nächsten Woche erstmals im Landtag diskutiert wird, wehren. Darin fordern sie die Rücknahme der rechtlichen Aufwertung der Gesamtschulen. Bis Mittwochmittag hatten bereits 3000 Menschen die Petition unterzeichnet. "Ein Aufschrei geht durchs Land", sagte Wiedenroth. Im Sekundentatk gingen Unterschriften ein. SPD und Grüne regierten völlig am Willen der Bürger vorbei. "Wir werden uns gegen die Demontage der erfolgreichen Schulform Gymnasium wehren ", sagte Audritz. "Eltern wollen keine Experimente und Lehrer wollen in Ruhe unterrichten." Ob bei der Orienterungsstufe, die nach 25 Jahren abgeschafft worden sei, oder bei der überstürzten Einführung von G 8, man habe schon oft erlebt, dass die Wege der Politik in die Irre geührt hätten. Massive Kritik übten Lehrer- und Elternverteter auch an der geplanten Streichung der Laufbahnempfehlung am Ende der Grundschule ("Damit wird Eltern die Orientierung genommen") und an der Einführung von Präsentationsprüfungen mithilfe des PCs anstatt von Klausuren im Abitur. Hochchulen bemängelten immer wieder die unzureichende schriftliche Ausdrucksfähigkeit von Studienanfängern, sagte Audritz. Wer am Gymnasium die Zahl der schriftlichen Leistungsüberprüfungen reduziere, befördere dies. In vielen Fächern gebe es schon jetzt nur noch eine Arbeit pro Halbjahr.

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