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Niedersachsen Schluss mit dem Turbo-Abi?
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20:48 10.09.2013
Von Saskia Döhner
Wieder zurück auf Anfang? Eltern und Lehrer wollen das Turbo-Abi in Niedersachsen abschaffen. Quelle: Philipp von Ditfurth
Hannover

Das Turbo-Abitur an Gymnasien ist aus Sicht von Elternvertretern und des Philologenverbandes gescheitert. „Die Verkürzung der Schulzeit auf acht Jahre hat sich als ein folgenschwerer Irrweg erwiesen, der schnellstens beendet werden muss“, sagte Klaus Plein vom Verband der Elternräte der Gymnasien am Dienstag in Hannover. Und Philologenchef Horst Audritz bemängelte: „Die ganzheitliche Menschenbildung ist auf der Strecke geblieben.“ Die Jugendlichen seien nicht selbstständiger geworden, sondern würden von ihren Eltern auch noch bis in die Hochschulen begleitet: „Da beschweren sich dann die Eltern bei den Professoren über Noten und Referatsthemen.“

Schon Siebtklässler hätten keine Zeit mehr für Arbeitsgemeinschaften, Schulorchester und Theatergruppen lägen brach, kritisierte Elternvertreterin Petra Wiedenroth: „Wir fordern eine stärkere Ausbildung der Sozialkompetenz, wir fordern die umgehende Rückkehr zu G 9, wir wollen sie jetzt, zeitnah und uneingeschränkt.“ 2011 hatte der erste Jahrgang das verkürzte Abitur gemacht. Besonders hoch sei der Druck in der Mittelstufe, in den Klassen 7 bis 10, sagte Plein: „34 Stunden Unterricht in der Woche sind eine Zumutung.“

Möglichst schon zum nächsten Schuljahr sollte an Gymnasien wieder das verlängerte Abitur eingeführt werden, zunächst aufsteigend vom fünften Jahrgang an, forderten die Eltern- und Lehrervertreter gestern. Das hieße, 2023 würde der erste Jahrgang wieder nach neun Jahren die Reifeprüfung ablegen.

Kultusministerin Frauke Heiligenstadt (SPD) geht das zu schnell. Sie plädiert für einen gründlichen Dialog mit allen Beteiligten, um nicht die Fehler zu wiederholen, die bei der überhasteten Einführung von G 8 gemacht worden seien. Vorschnelle Lösungen dürfe es nicht geben: „Es gilt, mit ausreichend Zeit zukunftsfähige Lösungen zu finden, die die hohe Qualität des niedersächsischen Abiturs weiter gewährleisten, gleichzeitig aber den Stress und Druck, der empfunden wird, deutlich zu mindern.“

Heiligenstadt hat eine Expertenrunde einberufen, die über mögliche Wege zum Abitur diskutieren soll. Vor einer Woche hat sich das Gremium zum ersten Mal getroffen. Geprüft wird, ob G 8 bei spürbarer Entlastung (weniger Klausuren und weniger Prüfungsfächer) beibehalten werden kann oder ob eine Rückkehr zu G 9 oder eine kombinierte Lösung besser ist. Dieses „Abitur der zwei Geschwindigkeiten“ wird von der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) favorisiert. Es sieht gemeinsamen Unterricht bis Klasse 10 und dann eine flexible Oberstufe vor, die in einem, zwei oder drei Jahren absolviert werden kann. „Das kann ein bundesweiter Knüller werden“, schätzt GEW-Experte Henner Sauerland.

Entschieden hatten sich die Bildungsverbände aber schon im Juni dagegen ausgesprochen, dass an einem Gymnasium zugleich G 8 und G 9 angeboten wird. Das führe nur zu organisatorischem Chaos. Bis Februar 2014 soll die Expertenrunde des Ministeriums ihren Abschlussbericht vorlegen, vor Sommer 2015 dürfte es wohl keine konkreten Beschlüsse geben.

„Warum dauert das so lange, wenn sich doch alle am Gymnasium beteiligten Seiten - Rektoren, Lehrer und Eltern - einig sind?“, fragt Audritz vom Philologenverband. Bemerkenswert sei, dass mittlerweile auch die Wirtschaft vom verkürzten Abitur abrücke. Dabei sei G 8 doch seinerzeit unter dem Diktat der Ökonomie eingeführt worden. „An die Bedürfnisse der Schüler hat dabei niemand gedacht, Bildung braucht Zeit.“

260 Stunden bis zum Abitur

Die niedersächsischen Gymnasiasten müssen insgesamt mindestens 260 Wochenstunden Unterricht in den Klassen 5 bis 12 haben, in den Jahrgängen 5 und 6 sind 30 Stunden in der Woche vorgeschrieben, ab Klasse 8 sind es schon 33. Mit diesen Vorgaben befinde sich Niedersachsen am unteren Ende dessen, was die Kultusministerkonferenz beschlossen hat, kritisiert der Philologenverband. Mit der Ausdehnung auf G 9 müsste die Gesamtstundenzahl auf 269 erhöht werden, fordert er. Von dem Vorschlag, die Zahl der Klausuren zu senken, halten die Gymnasiallehrer wenig. Schon jetzt gebe es zu wenig schriftliche Überprüfungen, die einzelne Arbeit erhalte so zu viel Gewicht, sagt Egbert Seifert vom Fachverband moderne Fremdsprachen. Das Hauptgewicht der Note liege bei der mündlichen Beteiligung. „Das geht zulasten der Stillen und oft auch der Jungen.“ Am Mittwoch treffen sich rund 700 Englisch-, Französisch- und Spanischlehrer zum Landessprachentag in Hannover.

Die Landesregierung hat Horst Schörshusen zum Nachfolger des entlassenen Agrar-Staatssekretärs Udo Paschedag ernannt. Der 62-jährige Vater von drei Kindern soll am Nachmittag von Agrarminister Christian Meyer seine Ernennungsurkunde erhalten, teilte die Staatskanzlei in Hannover am Dienstag mit.

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