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Niedersachsen Erdölfirma darf Schule nicht sponsern
Nachrichten Politik Niedersachsen Erdölfirma darf Schule nicht sponsern
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07:07 08.05.2015
Von Michael B. Berger
Anti-Korruptions-Richtlinie: Kein Sponsoring durch Erdölfirmen. Quelle: dpa (Symbolbild)
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Hannover

„Grundlage dieser Entscheidung ist die Anti-Korruptions-Richtlinie des Landes“, erklärte am Donnerstag die Sprecherin des Kultusministeriums, Susanne Schrammer. Auch nur der Anschein einer möglichen Beeinflussung dürfe nicht erweckt werden. „Dabei kommt es nicht darauf an, ob tatsächlich eine Einflussnahme erfolgt.“

Getroffen hat der Bannstrahl aus Hannover zuerst das Verdener Domgymnasium, eine angesehene Schule mit 1300 Schülern in der Domstadt. 10.000 Euro jährlich hat das Gymnasium nach Worten seines Schulleiters Detlev Lehmann seit 2007 vom Erdölerzeuger RWE Dea als Spende bekommen. „Wir haben die Mittel genutzt, etwa um sehr teure Experimentierkästen zu kaufen – für Schüler, die experimentelles Abitur machen“, sagt Lehmann. Die Kooperation mit der in Hamburg ansässigen Dea sei sehr „transparent und erfolgreich“ gewesen.

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„Mit Korruption, wirtschaftlicher oder politischer Einflussnahme hat das nun wahrlich nichts zu tun.“ Das habe sich etwa beim Thema Fracking gezeigt, das gerade in der Gegend um Verden sehr umstritten ist, berichtet der Schulleiter, der den Einspruch aus Hannover verwunderlich findet. Denn die in der Kooperationsvereinbarung verabredeten Betriebsbesuche etwa im Ölmuseum sowie Recherche- und Gesprächsangebote von Ingenieuren seien bei naturwissenschaftlich interessierten Schülern auf großes Interesse gestoßen. „Die Facharbeiten sind im Niveau deutlich nach oben gegangen“, berichtet der Schulleiter, selbst Naturwissenschaftler.

Die betroffenen Kooperationen (außer dem Verdener Domgymnasium haben noch Gymnasien in Sulingen, Vechta, Lingen und Lohne ähnliche Vereinbarungen) waren im Schuljahr 2007 entstanden, unter tatkräftiger Hilfe der Staatskanzlei und des damaligen Ministerpräsidenten Christian Wulff. Die Aktion, die mit dem Wirtschaftsverband Erdöl- und Erdgasgewinnung (WEG) vereinbart worden war, zielte darauf, bei Schülern Interesse für mathematisch-naturwissenschaftliche Themen zu wecken und praxisnahe Einblicke in technische Berufe zu sichern. „Für uns ist die Reaktion des Kultusministeriums nicht nachvollziehbar“, erklärte am Donnerstag Miriam Ahrens vom Wirtschaftsverband. Auch bei der Dea in Hamburg versteht man das Veto aus Hannover nicht. Genugtuung verspürt hingegen die Organisation Lobby Control, die seit Jahren gegen die Schulkooperationen protestierte, weil sie Abhängigkeiten befürchtet.

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