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Niedersachsen Warum Erdogan neuerdings auf VW Passat steht
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Erdogan empfiehlt VW Passat

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16:54 06.10.2019
Sein Wort hat Gewicht: Recep Tayyip Erdogan. Quelle: ap
Ankara

Noch ist die Entscheidung zum Bau eines neuen VW-Werks in der Westtürkei nicht offiziell bestätigt, und bis die Bänder anlaufen, werden wohl noch drei Jahre vergehen. Aber einen begeisterten Kunden hat Volkswagen in der Türkei bereits gewonnen: Staatschef Recep Tayyip Erdogan wies jetzt die Führungsriege seiner islamisch-konservativen Gerechtigkeits- und Entwicklungspartei (AKP) an, auf den VW Passat als neuen Dienstwagen umzusteigen. Das meldete am vergangenen Freitag die Nachrichtenagentur Bloomberg unter Berufung auf zwei Parteifunktionäre. Das neue Werk, das VW für 1,3 Milliarden Euro bei Izmir in der Westtürkei bauen will, soll pro Jahr rund 300 .000 Autos der Modelle Passat und Skoda Superb produzieren. In Emden, wo der Passat derzeit noch vom Band rollt, soll die Passat-Ära ab dem Jahr 2022 enden.

Staat hat 110.000 Dienstwagen

Von Erdogans Weisung sind zunächst nur 19 AKP-Spitzenfunktionäre betroffen, die jetzt noch Audi-Dienstwagen fahren. Die Leasingverträge laufen in etwa zwei Monaten aus. Da es nur um wenige Fahrzeuge geht und die Marke Audi zum VW-Konzern gehört, spielt der Wechsel zunächst keine große Rolle für VW. Aber das dürfte nur den Anfang sein. Der türkische Staat betreibt etwa 110 000 Dienstwagen und gab im vergangenen Jahr umgerechnet rund 85 Millionen Euro für Leasingverträge aus. Da Erdogans Wort in der Türkei Gesetz ist und die meisten Behördenchefs dem Präsidenten in vorauseilendem Gehorsam ergeben sind, kann Volkswagen damit rechnen, dass bald weitere türkische Staatsdiener in einen Passat steigen.

Neue Tochtergesellschaft

Lange prüfte Volkswagen Standorte für ein neues Werk im Ausland. Neben der Türkei war auch Bulgarien im Rennen. Dass die Türkei den Zuschlag bekommt, ist klar, seit VW jetzt im westtürkischen Manisa eine neue Tochtergesellschaft ins Handelsregister eintragen ließ, die Volkswagen Turkey Otomotiv Sanayi ve Ticaret AS, zu deutsch die Volkswagen Turkey Automobilindustrie- und Handels-AG.

Entscheidung für VW-Werk umstritten

Die geplante Milliardeninvestition ist angesichts der Demokratie-Defizite in der Türkei, der Menschenrechtsverletzungen und der gespannten Beziehungen zu Deutschland umstritten. In den vergangenen Tagen wurde fünf Deutsche in der Türkei festgenommen, unter ihnen eine 58jährige Hamburgerin. Sie wurde am Donnerstag am Flughafen von Diyarbakir verhaftet – ausgerechnet während eines Besuchs von Bundesinnenminister Horst Seehofer in Ankara. Derzeit sitzen mehr als 60 Bundesbürger als politische Gefangene in türkischer Haft. Indessen darf Mitarbeiter des hannoverschen Rathauses, den die türkischen Behörden in Italien hatten festsetzten lassen, die Rückreise in seine Heimat antreten.

Erdogan sitzt im Mercedes-Maybach

Der Europa-Abgeordnete Reinhard Bütikofer (Grüne/Bündnis 90) sagte der britischen Zeitung Daily Express, die Entscheidung des Volkswagen-Vorstandes für den Standort Türkei sei „bestürzend“. Nach Einschätzung Bütikofers haben türkische Subventionen Staates von umgerechnet 400 Millionen Euro und eine Abnahmegarantie von 40 000 Behördenfahrzeugen den Ausschlag gegeben. Dass Erdogan selbst auf VW umsteigt, ist allerdings nicht zu erwarten. Er lässt sich in einem gepanzerten Mercedes-Maybach S 600 Pullman Guard umherfahren.

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