Menü
Hannoversche Allgemeine | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Niedersachsen Ermittlungen nach Chemieunfall
Nachrichten Politik Niedersachsen Ermittlungen nach Chemieunfall
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
09:31 13.03.2009
Anzeige

„Es geht um einen besonders schweren Fall einer Umweltstraftat“, bestätigte am Donnerstag Pressesprecher Alexander Retemeyer auf Nachfrage dieser Zeitung. Noch ist offen, ob tatsächlich Anklage erhoben wird. Schwere Umweltstraftaten werden laut Strafgesetzbuch mit Freiheitsstrafe von mindesten sechs Monaten bestraft.

Am 20. November 2008 hatte ein Gabelstaplerfahrer mit seinem Gerät beim Verladen auf dem Hof der Spedition ein Fass mit Flusssäure beschädigt. Etwa 400 Liter der hochgiftigen Substanz waren ausgelaufen. 13 Menschen wurden verletzt, vier davon schwer. Der Unfall im Osnabrücker Hafengelände hatte damals einen Großeinsatz von Polizei, Feuerwehr und Rettungskräften ausgelöst. Unterstützung erhielten sie von Spezialisten der Henkel-Betriebsfeuerwehr aus Düsseldorf.

Anzeige

Bei dem Unfall war der 1000 Liter-Kunststoff-Container, in dem sich die Flusssäure befand, durch den Gabelstapler leckgeschlagen worden. Mitarbeiter der Spedition und ein Lastwagenfahrer hatten dann versucht, die ausgetretene Säure zu binden. Einer der Männer bekam Flusssäure auf die Haut. Die beiden anderen Beteiligten kamen in Kontakt mit den gefährlichen Dämpfen.

Die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft richten sich nun gegen den 55-jährigen Gabelstaplerfahrer. Die Polizei hatte zuvor unter anderem eine Videoaufzeichnung vom Unfallort ausgewertet. Sie sah offenbar den ausreichenden Verdacht, dass der Umgang mit der giftigen Flusssäure in der Spedition an diesem Tag nicht den einschlägigen gesetzlichen Vorschriften entsprochen hatte.

Flusssäure ist eine wässrige Lösung von Fluorwasserstoff (HF). Die farblose, stechend riechende Flüssigkeit ist giftig, wenn man sie einatmet, verschluckt oder berührt. Sie wird zum Ätzen von Glas und Metallen verwendet. Flusssäure ist ein starkes Kontaktgift. Es dringt bis zu den Knochen vor und kann zum Verlust von Armen und Beinen führen.

Wer wie im Fall des Osnabrücker Unglücks mit freigesetzter Flusssäure zu tun hat, der muss nach den entsprechenden Sicherheitsvorschriften der Berufsgenossenschaft Chemie Schutzkleidung wie Handschuhe und Schutzbrille sowie Atemschutz tragen. Trotz der Vorschriften hatten die Fahrer von Lastwagen und Gabelstapler offenbar auf diese Schutzmaßnahmen verzichtet. Der Lkw-Fahrer hatte zudem seine Fahrt noch fortgesetzt und das Betriebsgelände wieder verlassen.

Unterwegs erreichte ihn dann der Anruf der Feuerwehr. Mit einem Rettungsfahrzeug wurde der Verletzte später abgeholt und in ein Krankenhaus gebracht. Glück im Unglück damals: Alle Verletzten konnten bereits einen Tag nach dem Unfall das Krankenhaus wieder verlassen.

von Bernhard Remmers