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Niedersachsen Erste Asse-Kammer wird angebohrt
Nachrichten Politik Niedersachsen Erste Asse-Kammer wird angebohrt
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14:38 03.06.2010
Von Margit Kautenburger
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Die Vorbereitungen zur Rückholung des Atommülls aus dem einsturzgefährdeten Endlager Asse bei Wolfenbüttel kommen in Gang. Der Betreiber, das Bundesamt für Strahlenschutz (BfS), will im November die erste Abfallkammer anbohren, um Klarheit über den Zustand der Fässer zu erhalten. Das sei der erste Schritt einer Probephase zur Rückholung des radioaktiven Abfalls, sagte am Mittwoch ein Sprecher der Behörde. In einem zweiten Schritt würden die Kammern geöffnet, in einem dritten die Abfälle probeweise geborgen.

Damit hat das BfS erstmals einen konkreten Zeitplan vorgelegt. Zwei Spezialfirmen bereiten danach das Anbohren von Kammer 7 in 750 Metern Tiefe vor, in der mehr als 4300 Behälter abgekippt oder gestapelt wurden. Durch das Bohrloch sollen Luftproben entnommen und Sonden eingeführt werden. Die Messungen sollen zeigen, ob sich toxische oder explosive Gasmischungen in den Kammern gebildet haben, in welchem Zustand die Müllfässer sowie Decken und Wände sind und ob es belastete Salzlaugen gibt. Umfangreiche Schutzvorkehrungen für die Beschäftigten sind nötig. So soll ein sogenannter „Preventer“ auf der Bohrung verhindern, dass radioaktives Gas in die Grube eindringt. Zusätzlich werde die Bohrstelle ummauert und mit Schleusen versehen. Nach der Einlagerungskammer 7 soll die Kammer 12 angebohrt werden. Bis zum Jahresende werden erste Ergebnisse erwartet.

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Die Bürgerinitiativen bezweifeln, dass die Rückholung des Atommülls mit dem nötigen Druck verfolgt wird. Vom 5. bis 13. Juni haben sie eine Aktionswoche angekündigt. Das BfS weist die Vorwürfe zurück. Weltweit zum ersten Mal werde ein solches Projekt versucht, „das muss sorgfältig vorbereitet sein; wir dürfen keine Fehler machen“, sagte der Sprecher. Der Zeitplan könne nur eingehalten werden, wenn alle Beteiligten bei Planung, Gerätebeschaffung, den Genehmigungsverfahren und den Bohr- und Messarbeiten an einem Strang zögen.

Michael B. Berger 02.06.2010
01.06.2010