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Niedersachsen Erstmals seit Jahrzehnten kein AKW in Niedersachsen in Betrieb
Nachrichten Politik Niedersachsen Erstmals seit Jahrzehnten kein AKW in Niedersachsen in Betrieb
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13:52 22.05.2011
Das AKW Emsland wurde für eine Routine-Revision abgeschaltet. Quelle: dpa
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Das dritte niedersächsische Kraftwerk, Unterweser bei Nordenham, erzeugt zunächst bis Mitte Juni keinen Strom mehr. Es gehört zu den sieben ältesten deutschen Meilern, die nach der Reaktorkatastrophe in Japan für eine umfassende Sicherheitsanalyse heruntergefahren wurden. Ob das AKW wieder ans Netz geht, ist noch offen. Das Land Niedersachsen wartet dazu eine politische Entscheidung der Bundesregierung ab.

Atomkraftgegner ließen am Samstag am Kraftwerk Unterweser 10.000 schwarze und gelbe Luftballons aufsteigen. Die Demonstranten wollen mit den Ballons zeigen, wohin eine radioaktive Wolke bei einem Unglück ziehen würde. An der Aktion beteiligten sich rund 250 Menschen. Der Kraftwerks-Betreiber Eon verteidigte die Sicherheit des Reaktors erneut. Der 1978 errichtete Meiler könne dem Vergleich mit jüngeren deutschen Kernkraftwerken standhalten, betonte das Unternehmen.

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In Lingen begann der Betreiber RWE am Samstagnachmittag damit, das Kraftwerk herunterzufahren. Die Abschaltung dauerte mehrere Stunden. Das Kraftwerk wird drei Wochen für die jährlichen Revisionsarbeiten außer Betrieb sein. Dabei werden nach Angaben von RWE 44 der insgesamt 193 Brennelemente gewechselt. Außerdem ist die Sanierung und der Austausch von Kühlwasserleitungen sowie Arbeiten an den Transformatoren geplant.

Insgesamt stehen 820 Prüfungen auf dem Programm, bei denen beispielsweise die Funktion von Ventilen und Schaltern kontrolliert wird. Der Druckhalter des Systems wird mit Hilfe eines ferngesteuerten U-Boots inspiziert.

Nach der Abschaltung des Kraftwerks in Lingen werden bundesweit für eine Woche nur noch 4 der 17 deutschen Atommeiler Strom liefern, Brokdorf in Schleswig-Holstein, Isar II und Gundremmingen C in Bayern sowie Neckarwestheim II in Baden-Württemberg.

Die Bundesnetzagentur befürchtet trotzdem keinen Zusammenbruch der Stromversorgung. Die Netzbetreiber seien darauf vorbereitet und steuerten gegen, sagte ihr Präsident Matthias Kurth der „Passauer Neuen Presse“.

dpa