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Niedersachsen Evangelische Kirchen loten erneut Zusammenschluss aus
Nachrichten Politik Niedersachsen Evangelische Kirchen loten erneut Zusammenschluss aus
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13:16 10.03.2011
Braunschweigs Bischof Friedrich Weber erwartet zukünftig eine engere Zusammenarbeit der Kirchen.
Braunschweigs Bischof Friedrich Weber erwartet zukünftig eine engere Zusammenarbeit der Kirchen. Quelle: dpa
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Die Strukturen der evangelischen Kirche in Niedersachsen scheinen nicht mehr in die Zeit zu passen: Während Mitgliederschwund und Bedeutungsverlust der Religion die Kirche auf die Probe stellen, lebt in ihr die Kleinstaaterei des 19. Jahrhunderts mit den alten Ländern Hannover, Braunschweig, Oldenburg und Schaumburg-Lippe fort. Ein Anlauf zu einer Fusion scheiterte vor knapp zwei Jahren - an diesem Samstag wollen die fünf evangelischen Landeskirchen nun über ihre weitere Kooperation beraten. Eine endgültige Entscheidung wird erst in einem Jahr erwartet und alle zeigen sich guten Willens - ob dies für einen Konsens reicht, muss sich noch zeigen.

Bei der Schaffung einer Niedersachsen-Kirche geht es um mehr als um einige Bischofsposten. Vor allem die kleineren Landeskirchen leben von der Identifizierung der Menschen mit ihrer Region und der dort verwurzelten Kirche. Sie lehnten die Fusion daher ab. Zustimmung kam nur aus Hannover von der größten der Kirchen - selbst der Braunschweiger Bischof Friedrich Weber, der als erster für einen Zusammenschluss plädierte, kassierte von seinen Kirchengremien eine Abfuhr. Eine Kommission mit Vertretern aller Kirchen berät nun seit einem Jahr den weiteren Kurs. Dass es nicht ewig so weiter gehen kann wie bisher, hatte die hannoversche Kirche schon Ende 2009 erklärt:
Die seit 1971 betriebene Konföderation der fünf Kirchen müsse auf den Prüfstand, hieß es aus der Landeshauptstadt.

Die Landeskirche Schaumburg-Lippe, die kleinste in Deutschland, profitiert enorm von ihrer Nähe zu den Gläubigen, die religiöse Verwurzelung ist groß. Die Mitgliederentwicklung und erwartete Kirchensteuereinbußen jedoch ließen die Notwendigkeit einer Kooperation zunehmen, sagt Bischof Karl-Hinrich Manzke in Bückeburg. „Das merkt man den Gesprächen auch an.“ Die hannoversche Kirche habe den Anstoß zu dieser neuen Überlegung gegeben, heißt es bei der Kirche in Oldenburg, einen gemeinsamen Nenner zu finden sei Aufgabe der Kommission. „Alle Kirchen sind an einer engen Zusammenarbeit interessiert, auch die Oldenburger“, meint Sprecher Dirk-Michael Grötzsch. „Die Konföderation soll auf jeden Fall weiterentwickelt werden, entweder enger oder lockerer“, meint auch der Vizepräsident der reformierten Kirche mit Sitz in Leer, Johann Weusmann.

Kommt sie nun, die gemeinsame Kirche, oder bleibt es bei einem Kooperationsverbund - dazu gibt es von den beiden größten Akteuren in Hannover und Braunschweig noch unterschiedliche Töne. „Die Kommission muss prüfen, ob wir zu einer Kirche kommen, wir sind zuversichtlich“, sagt Kirchenpräsident Burkhard Guntau in Hannover. Ex-Bischöfin Margot Käßmann hatte das Vorhaben unterstützt, nach einem mehr als einjährigen Zwischenspiel ihres Stellvertreters muss sich erst noch zeigen, wie sich ihr Nachfolger, der Berliner Superintendent Ralf Meister positioniert. Er wird Ende des Monats in sein Amt eingeführt.

„Die Landeskirchen haben nicht den Veränderungsdruck, den die Kirchen im Osten haben“, meint unterdessen Braunschweigs Bischof Weber. „Es geht ihnen relativ gut, sie haben keinen wirtschaftlichen Druck.“ Die kleinen Kirchen lehnten einen Zusammenschluss deshalb weiter ab. „Die Fusion ist vom Tisch.“ Vielmehr deute vieles auf eine noch engere Zusammenarbeit der Kirchen hin, ein erster wichtiger Schritt sei die im Sommer geschaffene Diakonie in Niedersachsen als Dachorganisation der einzelnen diakonischen Werke. „Ich gehe davon aus, dass es im Herbst oder im März 2012 den Entwurf eines Kooperationsvertrages geben wird.“

dpa