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Niedersachsen Experten-Interview: „Die Aufsicht hat versagt“
Nachrichten Politik Niedersachsen Experten-Interview: „Die Aufsicht hat versagt“
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12:36 12.02.2009
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Schon wieder kommt Fehlverhalten in der Asse ans Licht. Bereitet Ihnen das Sorgen?

Es ist sehr bedenklich, wenn nach und nach immer mehr Missstände bekannt werden. Das ist ein Zeichen für mangelnde Aufsicht und Kontrolle, möglicherweise auch für eine Missachtung gesetzlicher Vorgaben.

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Was werfen Sie der Aufsichtsbehörde vor?

Das Landesamt für Bergbau und Energie hätte das Verkippen kontaminierter Lauge nicht genehmigen dürfen, denn dabei handelt es sich um radioaktiven Abfall.

Was kann die Lauge anrichten?

Kein Mensch weiß, wo sie hingesickert ist. Die Gefahr besteht, dass die Lauge mit den Atommüllfässern in Berührung kommt und noch mehr Radioaktivität freigesetzt wird.

Wie steht es um die Standsicherheit der Asse?

Ein neues Gutachten zeigt, dass die gefährdete Südflanke bis mindestens 2020 stabil bleibt. Es besteht trotzdem weiterhin die Gefahr, dass sich der Laugenzufluss, der seit 1988 stattfindet, deutlich erhöht. Das ist die größte Gefahr. Dann würde die ganze Grube absaufen, und sämtliche radioaktiven Abfälle würden aufgelöst werden. Sie würden in die Biosphäre freigesetzt werden.

Wie weit ist der Optionenvergleich?

Die Arbeitsgruppe stellt in diesen Tagen ihren Abschlussbericht fertig. Darin werden alle Stilllegungsvarianten danach beurteilt, ob man sie weiterverfolgen soll oder nicht. Innerhalb eines Jahres sollen dann die verbleibenden Optionen verglichen und bewertet werden.

Welche Optionen sind verworfen worden?

Etwa die alleinige Rückholung der mittelradioaktiven Abfälle, weil diese die Langzeitsicherheit nicht erhöhen würde. Der schwachaktive Müll ist langlebiger.

Welche Konzepte werden weiterverfolgt?

Die ganze Asse mit Beton vollzugießen, die Rückholung der Abfälle, ihre Umlagerung innerhalb der Asse und auch das Flutungskonzept des früheren Betreibers.

Dauert dieser Vergleich nicht viel zu lange?

Die Zeit drängt. Aber Sorgfalt geht vor Schnelligkeit. Wenn Gefahr im Verzug ist, muss das alles aufgegeben werden.