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Niedersachsen Freispruch im Prozess um Flammentod bei Celle
Nachrichten Politik Niedersachsen Freispruch im Prozess um Flammentod bei Celle
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15:08 24.05.2011
Die Aussagen der beiden Belastungszeugen wurden von allen Prozessbeteiligten als äußerst unglaubwürdig eingestuft. Quelle: dpa
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Im Prozess um den Flammentod eines Obdachlosen in Faßberg bei Celle ist der Angeklagte am Dienstag vom Landgericht Lüneburg freigesprochen worden. „Das ist ein Freispruch erster Klasse“, betonte der Vorsitzende Richter Franz Kompisch am Dienstag. Die Kammer sei von der Unschuld des Angeklagten überzeugt. Für die sechsmonatige Untersuchungshaft soll der 40-Jährige entschädigt werden. Zuvor hatten Anklage und Verteidigung auf Freispruch plädiert.

Der Mann hatte die gegen ihn erhobenen Vorwürfe stets bestritten. Er wurde beschuldigt, im November vergangenen Jahres einen 48 Jahre alten Mitbewohner der Unterkunft schwer misshandelt und mit Grillanzündern in Brand gesetzt zu haben. Doch die Aussagen der beiden Belastungszeugen wurden von allen Prozessbeteiligten als äußerst unglaubwürdig eingestuft. Die Staatsanwaltschaft Celle prüfe jetzt die Aufnahme neuer Ermittlungen, sagte ein Sprecher.

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Das Opfer hatte wie der Angeklagte und die beiden Zeugen in der abgelegenen Unterkunft in einem Waldgebiet bei Celle gelebt. Am Abend des 25. November war es unter bislang nicht geklärten Umständen zu dem grauenvollen Verbrechen gekommen. Während des Verfahrens erregten die beiden Belastungszeugen mit massiven Gedächtnislücken und unauflösbaren Widersprüchen zunehmend den Unmut der Kammer.

Statt zu schlafen, sei der zweite Belastungszeuge mit hoher Wahrscheinlichkeit bis zur Tatzeit am 25. November bei dem anderen Zeugen gewesen, folgerte das Gericht aus den Aussagen und anderen Hinweisen. Dann könnte es zu einer Auseinandersetzung mit dem späteren Opfer gekommen sein, als der 48-Jährige eine Satellitenschüssel verstellt haben soll.

Das Gericht hielt allein die Aussage des Angeklagten für schlüssig, der den brennenden Trinkkumpanen gelöscht hatte. Der Kreis der Verdächtigen sei überschaubar, betonte der Vorsitzende und kritisierte die Arbeit der Polizei. So seien die beiden Belastungszeugen nach der Tat nicht getrennt verhört worden.

Die Ermittlungen der Polizei hätten sich viel zu schnell auf seinen Mandanten konzentriert, sagte auch Verteidiger Martin Fricke. Der 40-Jährige hatte im Frühjahr vergangenen Jahres die Wohnung verloren und war nach Faßberg gekommen. „Er will einen Schlussstrich unter diesen traurigen Lebensabschnitt ziehen“, sagte Fricke nach dem Prozess. Eine neue Unterkunft sei gefunden, und auch die Familie wolle helfen - Mutter und Tochter waren zur Urteilsverkündung erschienen.

dpa