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Niedersachsen G9-Rückkehr kostet Hannover 35 Millionen Euro
Nachrichten Politik Niedersachsen G9-Rückkehr kostet Hannover 35 Millionen Euro
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21:51 03.04.2015
Die Gymnasien im Land führen ab dem Sommer das Abitur nach 13 Jahren schrittweise wieder ein. Quelle: dpa
Hannover

Die von der rot-grünen Landesregierung in Niedersachsen beschlossene Rückkehr zum Abitur nach 13 Jahren könnte für die Kommunen Zusatzkosten in Millionenhöhe bedeuten. Allein die Landeshauptstadt Hannover benötige „grob geschätzt“ einen Betrag in Höhe von 35 Millionen Euro, sagte Finanzdezernent Marc Hansmann. „Die Schulen platzen aus allen Nähten.“ Es gebe in den Gymnasien keine freien Räume mehr, beschrieb Hansmann die Lage.

Die Gymnasien im Land führen ab dem Sommer das Abitur nach 13 Jahren schrittweise wieder ein. Das sogenannte Turbo-Abitur nach zwölf Jahren gehört damit weitgehend der Vergangenheit an. Die Reform soll bis 2020 abgeschlossen sein. Weil Gymnasiasten nun wieder länger an ihren Schulen verweilen als bisher, stehen die Kommunen vor einer großen Herausforderung. Der NDR berichtete über eine interne Liste des niedersächsischen Städtetages, wonach sich etliche Städte auf kostspielige Umbauten vorbereiten. Wolfsburg muss dafür demnach voraussichtlich mehr als 13 Millionen Euro aufbringen, in Buxtehude rechnet die Stadt mit rund 3 Millionen Euro teuren Bauarbeiten.

Kommunen fordern Hilfe vom Land

Die Kommunen fordern die Übernahme der Kosten durch die Landesregierung. Das in Niedersachsen geltende Konnexitätsprinzip verlange, dass das Land die Kosten seiner Politik nicht auf die Kommunen übertragen dürfe, sagte Thorsten Bullerdiek, Sprecher des niedersächsischen Städte- und Gemeindebunds, der HAZ. „Und die Ausrichtung der Schulpolitik hat nun mal Auswirkungen auf die Sachkosten in den Städten und Gemeinden.“

Die Landesregierung bezeichnete eine solche Interpretation als „fraglich“. Die Einführung des Turbo-Abis sei noch nicht lange her, viele Schulen seien daher von ihren Räumlichkeiten noch auf das Abitur nach 13 Jahren eingerichtet, sagte eine Sprecherin des Kultusministeriums. Außerdem gingen die Schülerzahlen insgesamt zurück, wodurch sich die Situation zusätzlich entspanne. Es sei allerdings richtig, dass es in großen Städten wie Hannover derzeit einen Zuwachs an Schülerzahlen gebe. Eben deshalb müsse man aber genau analysieren, ob die Baumaßnahmen an den Schulen durch die Rückkehr zu G9 oder durch die steigenden Schülerzahlen notwendig würden. „Wir werden das gemeinsam mit den kommunalen Spitzenverbänden partnerschaftlich erörtern“, sagte die Sprecherin.

Auch Hannovers Finanzdezernent Hansmann räumte ein, dass der Mehrbedarf nicht nur mit der Umstellung des Abiturs zu tun habe. Da Hannover bei Familien derzeit immer beliebter als Wohnort werde, stiegen die Schülerzahlen. Daher sollten die Planungen für ein weiteres Gymnasium in der Stadt auch „möglichst schnell starten“. Derzeit laufen noch Verhandlungen über den genauen Standort. Als sicher gilt, dass das neue Gymnasium im Westen der Stadt gebaut wird, möglicherweise auf dem Gelände der Wasserstadt Limmer. Es wäre das 17. städtische Gymnasium. Darüber hinaus gibt es laut Hansmann weiteren Bedarf, dem die Stadt über Anbauten gerecht werden wolle.

Von Mathias Klein
 und Heiko Randermann

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