Menü
Hannoversche Allgemeine | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Niedersachsen Gewerkschaft fordert Mindestlohn für Fleischbranche
Nachrichten Politik Niedersachsen Gewerkschaft fordert Mindestlohn für Fleischbranche
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
08:22 03.12.2010
Von Karl Doeleke
"Deutschland entwicklt sich zu einem Niedriglohnland in der Fleischindustrie." Quelle: dpa
Anzeige

Die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft Oldenburg wegen des Verdachts der illegalen Beschäftigung von bulgarischen Leiharbeitern in einem Schlachthof in Wildeshausen haben am Donnerstag die Opposition im Landtag auf den Plan gerufen. Agrarministerin Astrid Grotelüschen werde zunehmend eine Belastung für ihr Haus, erklärte die SPD. An dem Schlachthof ist der Ehemann Grotelüschens finanziell beteiligt. Die Linke forderte daher ihren Rücktritt. Grotelüschens Mann Garlich teilte dagegen mit, er habe von den Vorwürfen gegen die Schlachterei nichts gewusst. Er hält knapp 14 Prozent an dem Schlachthof.

Die Grünen lenkten gestern den Blick auf die Bezahlung der Osteuropäer. Der Wirtschaftspolitiker Enno Hagenah sagte, es sei bezeichnend, dass Grotelüschen einen Stundenlohn von fünf Euro im NDR-Fernsehen als akzeptabel bezeichnet habe. Die Gewerkschaft Nahrung, Genuss, Gaststätten (NGG) fordert einen Mindestlohn von 8,50 Euro in der Fleischbranche: „Nicht nur die skandalösen Vorgänge im aktuellen Fall machen das notwendig“, sagte der Landesbezirksvorsitzende Nord der NGG, Herbert Grimberg. Deutschland entwickle sich zu einem Niedriglohnland in der Fleischindustrie. Mit Blick auf den geplanten Hähnchenschlachthof in Wietze sagte der Gewerkschafter: „Angesichts der Arbeitsbedingungen, die wir in der Zerlegebranche feststellen, ist nicht zu erwarten, dass es in Wietze anders wird.“

Anzeige

Die CDU-Fraktion im Landtag stellte sich gestern an die Seite Grotelüschens: Die Abgeordneten Dirk Toepffer und Karl-Heinrich Langspecht erklärten in einer Pressemitteilung, es gelte die Unschuldsvermutung. Dennoch scheint der Kredit der Agrarministerin langsam verbraucht. Insbesondere Grotelü-schens Äußerung zur Bezahlung der Osteuropäer hat für Kopfschütteln gesorgt. Diese sei „katastrophal“ gewesen, hieß es. Die Situation sei „äußerst misslich“, sagte ein anderer Parlamentarier. Alle in der Fraktion seien genervt, bis hin zum Ministerpräsidenten.

Mehr zum Thema

Seit rund 100 Tagen ist Astrid Grotelüschen Landwirtschaftsministerin in Niedersachsen. Jetzt steht die oberste Tierschützerin des Landes mächtig unter Druck. Ausgerechnet die Kükenbrüterei ihres Mannes soll intensive Beziehungen zu Betrieben haben, in denen Mastputen gequält werden.

10.08.2010
Niedersachsen Verstoß gegen Tierschutzgesetz - Strafanzeige gegen Ehepaar Grotelüschen

Die Tierschutzorganisation Peta hat Strafanzeige gegen Niedersachsens Landwirtschaftsministerin Astrid Grotelüschen (CDU) gestellt. Es geht um den Vorwurf des Verstoßes gegen das Tierschutz- und das Tierkörperbeseitigungsgesetz.

Saskia Döhner 12.08.2010
Niedersachsen „Putenaffäre“ in Mecklenburg-Vorpommern - Opposition zweifelt an Grotelüschens Eignung zur Ministerin

Die Landtagsopposition hat am Freitag erneut heftige Zweifel an der Eignung von Astrid Grotelüschen als Tierschutzministerin geäußert. Eineinhalb Stunden stand die CDU-Politikerin dem Agrarausschuss Rede und Antwort – zu der „Putenaffäre“ in Mecklenburg-Vorpommern.

Michael B. Berger 13.08.2010