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Niedersachsen Wulff hatte hohe Erwartungen an Promi-Feier
Nachrichten Politik Niedersachsen Wulff hatte hohe Erwartungen an Promi-Feier
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00:15 20.01.2014
Spricht von „enormen Druck“: Lothar Hagebölling, Staatssekretär a. D. Quelle: dpa
Hannover

Warum hat sich Olaf Glaeseker zwischen 2007 und 2009 so stark für drei Prominenten-Partys namens „Nord-Süd-Dialog“ engagiert? Wenn er es tat, um den Gewinn des Veranstalters Manfred Schmidt zu mehren, bei dem er später Urlaub gemacht hat, wäre der Verdacht der Bestechlichkeit erhärtet. Doch im Korruptionsprozess vor dem Landgericht hat am Freitag ein früher hochgestellter Beamter die Version von Glaeseker bestätigt. Demnach war es der damalige Ministerpräsident Christian Wulff, der eine gelungene Veranstaltung wollte – und damit sein Umfeld, vor allem Glaeseker, in Zugzwang setzte.

Lothar Hagebölling, früher Chef der Staatskanzlei in Hannover und bis 2012 dann Leiter des Bundespräsidialamtes, sprach von einer „unausgesprochenen Erwartungshaltung“, die Wulff ausgestrahlt habe. Die drei „Nord-Süd-Dialoge“ hätten dem Zweck gedient, das eher strukturschwache Niedersachsen auf gleicher Augenhöhe mit dem erfolgreichen Land Baden-Württemberg zu präsentieren. Zur Vorbereitung der Veranstaltung, für die Wulff Schirmherr wurde, sei die von Glaeseker geleitete Abteilung für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit zuständig gewesen. Die Suche nach Sponsoren dafür habe auch im Landesinteresse gelegen. Hagebölling sagte, er selbst sei vom Chef der Nord/LB angesprochen worden und habe dessen Interesse an einer Beteiligung dann „an Glaeseker weitergeleitet“. Bisher mutmaßt die Staatsanwaltschaft, dass Glaeseker in Überschreitung seiner Kompetenzen Sponsoren deshalb gesucht habe, weil er Schmidts Geschäftsinteressen habe fördern wollen.

Hagebölling berichtete auch vom Streit zwischen der Firma von Schmidt und dem Flughafen Hannover, auf dessen Terminal der dritte „Nord-Süd-Dialog“ 2009 stattfand. Im November, einen Monat vor dem Termin, sei die Party fast gescheitert, weil beide Seiten sich über die Konditionen nicht einig wurden. Glaeseker bat Hagebölling um Hilfe, in einem Brief an den Staatskanzleichef wies er auf die „Handschlag-Qualität“ von Schmidt hin. Hagebölling kam mit Glaeseker zu einem klärenden Gespräch beim Flughafen, dort habe sich Glaeseker dann aber sehr zurückgehalten. Bekannt ist, dass Glaeseker damals den Flughafen beeindrucken wollte, indem er ihm VW als Werbepartner in Aussicht stellte – falls im Gegenzug der Streit mit Schmidts Firma beigelegt wird.

Wie stark das Verhältnis zwischen Wulff und Glaeseker abkühlte, als Wulff Bundespräsident war, beschrieb Hagebölling, als er auf Glaesekers Ablösung kurz vor Weihnachten 2011 zu sprechen kam: Nicht Wulff, sondern Hagebölling informierte den Sprecher darüber. „Das war für mich nicht einfach.“

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