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Niedersachsen Google fotografiert ganz Niedersachsen
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20:38 07.04.2009
Von Karl Doeleke
Das Google-Mobil fotografiert für den umstrittenen Dienst "StreetView"
Das Google-Mobil fotografiert für den umstrittenen Dienst "StreetView" Quelle: JOHN MACDOUGALL/AFP
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Die Bilder sollen „möglichst zeitnah“ im Internet zu einer dreidimensionalen Darstellung von Deutschland zusammengefügt werden. Google will so „virtuelle Stadtrundgänge“ am Bildschirm ermöglichen.

Dafür fahren derzeit auffällige schwarze Autos mit markanten Stativen auf dem Dach durchs Land. Acht Linsen machen im Sekundentakt Panoramaaufnahmen aller Straßenzüge. „Pro Stadt sind das Millionen Bilder, die in einem riesigen Städtepuzzle zu dreidimensionalen Ansichten zusammengefügt werden“, erläutert Google-Sprecher Stefan Keuchel das Projekt. In Hannover waren die Wagen schon im vergangenen Sommer unterwegs. Zuletzt wurden sie unter anderem in Hildesheim, Osnabrück, Wolfsburg und Oldenburg gesehen.

Die Datenschutzbeauftragten der Länder haben die Praxis von Google im November zwar grundsätzlich für legal erklärt. Dennoch haben Datenschützer, einige Kommunalpolitiker und Hausbesitzer erhebliche Bedenken. In Hannover und Wolfsburg wurde im Stadtrat sogar erwogen, Google das Fotografieren zu verbieten. Am Ende stand die Erkenntnis: „Kommunen haben keine Möglichkeit, dagegen vorzugehen.“

Monika Weichsel, Referentin im Landesamt für Datenschutz, rät daher skeptischen Bürgern, selbst bei Google Widerspruch gegen die Aufnahmen einzulegen. Etliche hatten sich bereits bei ihr beschwert.

Das Unternehmen betont, Aufnahmen im öffentlichen Raum seien legal. Sprecher Keuchel verweist darauf, dass alle Gesichter und Autokennzeichen vor der Veröffentlichung unkenntlich gemacht würden. Aus Sicht von Google überwiegen die Vorteile: „Street View“ erleichtere die Wohnungssuche ebenso wie die Auswahl von Hotels. Auch einige Tourismusmanager finden „Street View“ gut: „Für uns ist das wunderbar“, heißt es etwa aus Hildesheim. Heiger Scholz vom Niedersächsischen Städtetag formuliert es etwas vorsichtiger: „Es gibt Befürworter in unserem Verband.“

Allerdings funktionieren die Vorkehrungen des Internetriesen zum Schutz des Persönlichkeitsrechts nicht immer. In Großbritannien, wo „Street View“ jüngst an den Start ging, sah sich ein Mann beim Besuch eines Sexshops ertappt, ein Zecher dabei, wie er sich vor einem Pub erbrach. In Deutschland warnen Kritiker davor, Einbrecher könnten ihre Ziele vorab per Internet ausspionieren. Die Datenschützer der Länder haben daher weitere Forderungen: Google solle Bürgern die Möglichkeit geben, vor der Veröffentlichung eines Bildes zu widersprechen. Außerdem soll Google Hausnummern unkenntlich machen.

07.04.2009
Klaus Wallbaum 05.04.2009