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Niedersachsen Großschlachthof in Wietze sorgt weiter für Streit
Nachrichten Politik Niedersachsen Großschlachthof in Wietze sorgt weiter für Streit
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07:35 29.03.2011
Das Luftbild zeigt die Bauarbeiten am geplanten Geflügelschlachthof in Wietze. Quelle: dpa
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Lange Zeit diskutierten Gegner und Befürworter nur über Pläne auf Papier, inzwischen nimmt der umstrittene Geflügelschlachthof in Wietze Form und Gestalt an. Auf einem 21 Hektar großen Areal am Rande der 8000-Einwohner-Gemeinde im Kreis Celle stehen bereits erste Hallen des Großschlachthofes, in dem knapp 2,6 Millionen Hähnchen pro Woche geschlachtet werden können. Während Befürworter die wirtschaftlichen Impulse für die Region betonen, geben die Gegner sich noch lange nicht geschlagen. Sie bezweifeln, dass der Schlachthof wie geplant im Spätsommer in Betrieb gehen kann. Knackpunkt: Angeblich sollen sich kaum Bauern bereitgefunden haben, als Hähnchenmäster den Schlachthof zu beliefern.

„Das ist im Moment das große Problem, es haben sich nicht einmal zehn Landwirte gefunden, mindestens 420 werden für die Produktion benötigt“, meint der Vorsitzende der Bürgerinitiative Wietze, Norbert Juretzko. Ohne ausreichend Hähnchenmäster in der Region könne der Schlachthof allenfalls auf kleiner Linie anfahren. „Wir gehen davon aus, dass in diesem Jahr noch nichts produziert wird.“ Der Bau sei bereits mehrfach verschoben worden, unter anderem unter Verweis auf zu frostiges Wetter. Tatsächlich hätte so mancher Landwirt aber für sich ausgerechnet, dass ihm als Lohnmäster für die Emsland Frischgeflügel GmbH kaum ein einträgliches Geschäft bevorsteht.

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Niedersachsen ist Deutschlands Hähnchenland Nummer eins, bisher war die Branche vor allem im Nordwesten und im Emsland konzentriert. Dort aber wird der Raum für neue Agrarunternehmen knapp, daher richtet die Branche den Blick neuerdings nach Ostniedersachsen. „Es gibt hier andere landwirtschaftliche Voraussetzungen als im Emsland“, meint Juretzko. Waldstücke etwa machten den Bau von Mastställen schwieriger, als im Westen. Die Kritik der Bürgerinitiative ist vielfältig: So wird der Schlachthof als Teil einer tierfeindlichen Agrarindustrie abgelehnt. Sorge gibt es vor Hähnchenblut im Abwasser, vor einer Lastwagenlawine bei der Belieferung des Schlachthofes und vor Emissionen bei den zahlreich nötigen Mastställen im Umkreis.

Für unbegründet und überzogen hält Bürgermeister Wolfgang Klußmann die Einwände der Bürgerinitiative. Bewusst gestreut worden sei etwa die Behauptung, in dem Schlachthof würden nur Billigkolonnen aus Osteuropa eingesetzt. „Ich habe nicht den Eindruck, dass es einen massiven Widerstand gibt, das ist eine kleine Gruppe.“ Eine große Stimmung gegen das Bauprojekt gebe es nicht. Vielmehr habe es auf die 250 Arbeitsplätze in der Produktion bereits 900 Bewerbungen gegeben, darunter 361 Initiativbewerbungen aus der Region, noch bevor überhaupt Stellen ausgeschrieben wurden. Für die Finanzen der klammen Kommune verspricht Klußmann sich einen kräftigen Schub. Die Einwohnerzahl könne wieder steigen, gute Nachrichten seien dies für den Weiterbetrieb von Grundschule und Kindergärten.

An der Inbetriebnahme im Spätsommer werde festgehalten, betont unterdessen ein Unternehmenssprecher. Fest stehe, dass der Betrieb mit einer Produktionslinie im Einschichtbetrieb bei voller Auslastung starte. Zur Frage der Mastbetriebe wollte der Sprecher keine Auskunft geben. 25 künftige Mitarbeiter würden bereits am Hauptsitz im emsländischen Haren eingearbeitet, der Betriebsstart erfolge dann mit 250 Beschäftigten. 40 Millionen Euro werden in den Schlachthof investiert.

„Die Region um Celle kann sich glücklich schätzen, dass die Entscheidung für diesen Standort gefallen ist“, meint der Vorsitzende des Landesverbandes der Geflügelwirtschaft, Wilhelm Hoffrogge. Genauso gut hätte das Unternehmen in die neuen Bundesländer gehen können, wo es mehr Zuschüsse gegeben hätte. Den Protest der Bürgerinitiative hält er für maßlos überzogen. So mancher Landwirt sei deshalb vor einem Einstieg in die Hähnchenmast zurückgeschreckt. Dabei biete dies so manchem jungen Landwirt eine Zukunftsperspetive für seinen Hof.

dpa

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