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Niedersachsen Grotelüschen: Von Vorwürfen gegen Schlachterei nichts gewusst
Nachrichten Politik Niedersachsen Grotelüschen: Von Vorwürfen gegen Schlachterei nichts gewusst
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17:10 02.12.2010
Garlich Grotelüschen und seine Frau, Niedersachsens Agrarministerin Astrid Grotelüschen (CDU). Quelle: dpa (Archiv)
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Niedersachsens Agrarministerin Astrid Grotelüschen (CDU) ist wegen ihrer Beziehungen in die Geflügelbranche und möglichen Billiglöhnen erneut in der Kritik geraten. Der Ehemann der CDU-Politikerin ist Gesellschafter eines Schlachtbetriebs in Wildeshausen, gegen den die Staatsanwaltschaft ermittelt.

Es geht um den Verdacht der Beihilfe zur illegalen Beschäftigung von bulgarischen Arbeitnehmern. Dabei gibt es Kritik wegen Stundenlöhnen von vier bis fünf Euro. Die SPD im niedersächsischen Landtag kritisierte, die Landwirtschaftsministerin werde zunehmend zu einer Belastung für ihr Haus, die Linken halten sie für untragbar. Die Grünen sehen gar die gesamte Branche im Zwielicht. Die Agrarministerin war bereits kurz nach ihrem Amtsantritt wegen möglicher Tierschutz-Verstöße in der Geflügelindustrie unter Druck geraten.

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Der Ehemann der Ministerin, der Agrarunternehmer Garlich Grotelüschen, sagte der Nachrichtenagentur dpa, er habe von den Vorwürfen gegen den Schlachtbetrieb nichts gewusst. Derzeit sehe er auch keinen Grund, seine Beteiligung von 14 Prozent - etwa zwei Millionen Euro - an der Schlachterei aufzugeben.

Zu dem Vorwurf der Billiglöhne sagte Grotelüschen: „Ich prüfe nicht die einzelnen Stundensätze, die die Leute verdienen“. Garlich Grotelüschen gehört die Mastkükenbrüterei Ahlhorn im Oldenburger Land, vor ihrem Regierungsamt war die Ministerin in der Unternehmensführung tätig. Die CDU-Fraktion rief dazu auf, keine Vorverurteilungen der Ministerin vorzunehmen. Die CDU-Politikerin selber wollte zunächst keine Stellungnahme abgeben.

Im August dieses Jahres war der Schlachtbetrieb in Wildeshausen, die Geestland Putenspezialitäten GmbH & Co.KG, durchsucht worden, wie die Staatsanwaltschaft Oldenburg am Donnerstag mitteilte. Die sichergestellten Unterlagen werden derzeit ausgewertet. Die Justiz prüft, inwieweit die bulgarischen Arbeitnehmer durch ein Subunternehmen bei der Schlachterei eingesetzt worden sind.

Es seien möglicherweise Arbeitnehmer “überlassen“ worden, ohne dass dafür notwendige Genehmigungen vorlagen, erklärte eine Sprecherin der Staatsanwaltschaft. Die Schlachterei ist ein Unternehmen der PHW-Gruppe, die Mehrheitsgesellschafter ist und unter anderem die Marke „Wiesenhof“ vertreibt.

Die Putenschlachterei wies die Vorwürfe zurück. Die Firma arbeite mit Werkvertrags-Unternehmen zusammen, die Bulgaren beschäftige, teilte ein Sprecher des Unternehmens Geestland mit. Sie verdienten zwischen vier und fünf Euro netto und bekommen ihre Unterkunft gestellt. Es gelte für sie auch das deutsche Arbeitsrecht. Die Putenschlachterei - nach Firmenangaben eine der modernsten weltweit - war 2009 fertiggestellt worden.

dpa

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