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Niedersachsen Grotelüschen ist empört über Vorwürfe
Nachrichten Politik Niedersachsen Grotelüschen ist empört über Vorwürfe
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20:16 10.08.2010
Von Michael B. Berger
Landwirtschaftsministerin Astrid Grotelüschen
Landwirtschaftsministerin Astrid Grotelüschen Quelle: Frank Wilde
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Seit Montagabend muss sich die CDU-Politikerin mit dem (unbewiesenen) Vorwurf auseinandersetzen, die Firma ihres Mannes sei an tierquälerischer Putenhaltung beteiligt – und ist über diese Behauptung echt empört.

Das ARD-Magazin „Report Mainz“ hat Grotelüschen diese Debatte beschert. Es zeigte Montagabend Aufnahmen aus Mecklenburger Putenställen, die im Juli entstanden sein sollen, gefilmt von der Tierschutzorganisation Peta, die heimlich in die Ställe eingedrungen sein will. Gezeigt werden sterbende Puten, gezeichnet von Kannibalismus und Krankheiten.

Grotelüschen, die nach einem längeren allgemeinen Gespräch mit dem Filmteam plötzlich mit den Bildern konfrontiert wurde, sagte in dem ARD-Interview etwas herumdrucksend, solche Bilder seien „nicht wünschenswert“. Die Firma ihres Mannes im Oldenburgischen – die Mastputenkükenbrüterei Ahlhorn – habe mit diesen Betrieben aber nichts zu tun, betonte die Ministerin, die für den Tierschutz in Niedersachsen zuständig ist: „Ich habe mit den Mecklenburger Betrieben persönlich oder auch als Familie, als Betrieb, nichts zu tun.“ Der Betrieb ihres Mannes sei eine reine Zuchtanlage für Mastputenküken.

Doch starke Geschäftsbeziehungen gibt es gleichwohl: Die grotelüschensche Firma ist einziger Lieferant der Putenküken und mit 30 Prozent an der Vermarktungsgesellschaft beteiligt.

Gestern, als die Linke im hannoverschen Landtag bereits Rücktrittsforderungen an Ministerin Grotelüschen erhob, kamen aber Zweifel an der Authentizität der gezeigten Fernsehbilder auf. Von Verleumdung sprach die Putenerzeugergemeinschaft Mecklenburg-Vorpommern. „Die Außenaufnahmen stimmen, aber die Innenaufnahmen stimmen nicht mit den Gegebenheiten in einem Betrieb überein“, sagte die Geschäftsführerin der Erzeugergemeinschaft, Elke Friedrich, dieser Zeitung. Sie verwies – wie auch der Sprecher des niedersächsischen Landwirtschaftsministeriums, Gert Hahne – auf eidesstattliche Erklärungen der Mecklenburger Putenmäster, dass die geschilderten tierquälerischen Zustände sich nicht in ihren eigenen Betrieben ereignet hätten. „Im Übrigen haben diese Betriebe aber auch nichts mit einer Frau Grotelü-schen zu tun. Sie sind eigenständig und arbeiten mit der Mastkükenbrüterei Ahlhorn nur als Kükenlieferant – das war’s dann aber auch schon.“

Auch das am Freitag vergangener Woche von Hannover eingeschaltete Agrarministerium in Mecklenburg-Vorpommern konnte bei einer Kontrolle keine Missstände entdecken. „Wir würden gern von der ARD und auch Peta wissen, wann genau es zu den Aufnahmen kam“, sagt Marion Zinke, Sprecherin des Ministeriums in Schwerin. Die ARD habe erklärt, die Aufnahmen seien im Juli entstanden. „Das muss dann aber vor unseren Kontrollen gewesen sein.“

In den Augen der Landtagsopposition ist Astrid Grotelüschen aber noch nicht aus dem Schneider. Sie soll sich am Freitag im Agrarausschuss erklären, fordert der Grüne Stefan Wenzel, der Grotelü-schens Fernsehauftritt sehr merkwürdig fand. „Frau Grotelüschen ist in ihrer Rolle als Ministerin und Hüterin des Tierschutzes offenbar noch gar nicht angekommen. Denn warum spricht sie von wir, wenn die Rede auf die Ahlhorner Mastkükenbrüterei kommt?“ Es sei doch klar, dass die Ministerin von „wir“ rede, wenn von der Firma ihres Mannes gesprochen werde, entgegnet Hahne, Sprecher Grotelü-schens: „So weit, dass sie sich von ihrem Mann distanzieren muss, sind wir in Deutschland gottlob noch nicht.“ Die ganze Sache sei eine politische „Kampagne“, meint Hahne.

Niedersachsens SPD-Chef Olaf Lies erwartet jetzt „detaillierte Aufklärung“ von Grotelüschen und wundert sich, dass der neue Ministerpräsident David McAllister nichts zu seiner in Bedrängnis gekommenen Ministerin sagt, „die offensichtlich in einem Interessenkonflikt“ stehe. Der hat aber nicht das geringste Interesse, sich zu der Sache zu äußern. „Kein Kommentar“, heißt es in der Staatskanzlei. „Wir verurteilen natürlich Tierquälerei, Tierschutz hat höchste Priorität“, sagt Clemens Große Macke, Agrarexperte der CDU. Jetzt müsse man dem Unternehmen Grotelüschens die Chance geben, die Fernsehbilder zu überprüfen. Er sei tief überzeugt, dass es die neue Ministerin mit dem Verbraucher- und dem Tierschutz ernst meine. „Sie wird Auskunft geben, da habe ich keine Zweifel.“