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Niedersachsen Grüne fordern mehr Transparenz bei Schadstoffbelastung
Nachrichten Politik Niedersachsen Grüne fordern mehr Transparenz bei Schadstoffbelastung
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21:22 24.05.2009
Die Grünen fordern noch mehr Transparenz bei der Kennzeichnung von Lebensmittel. Quelle: Steffen Leiprecht/ddp
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Und doch landen pro Jahr im Schnitt ein halbes Kilogramm dieser Stoffe auf dem Teller jedes EU-Bürgers. Dem hat das Europäische Parlament nun einen Riegel vorgeschoben und 22 hochgiftige Pestizide auf eine schwarze Liste gesetzt. Was die neue Regelung für die Verbraucher bedeutet, diskutierte die Landtagsfraktion der Grünen mit Experten.

Die neue Verordnung bezieht sich nicht auf einzelne Produkte der Pflanzenmittelhersteller, sondern auf die darin enthaltenen Wirkstoffe. Stoffe die Krebs erzeugen, das Erbgut schädigen oder die Fortpflanzungsfähigkeit beeinträchtigen, dürfen nach Ablauf ihrer derzeit gültigen Zulassung nicht mehr auf den Markt gebracht werden. Für Wirkstoffe, die die Entwicklung des Immun- oder Nervensystems schädigen, sind strenge Sicherheitsprüfungen geplant.

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Grünen-Politikerin Hiltrud Breyer, Berichterstatterin zur Pestizidverordnung für das EU-Parlament, spricht von einem „großen Schritt für den Schutz der Umwelt“. Für die Verbraucher bedeute die neue Verordnung mehr Sicherheit. Auch für das Gesundheitssystem sei der Wegfall von krebserregenden Wirkstoffen ein wichtiger Schritt, weil so Kosten eingespart werden können. Die Grünen fordern noch mehr Transparenz bei der Kennzeichnung von Lebensmitteln und mehr Geld für die Forschung, um chemische Pflanzenschutzmittel grundsätzlich durch harmlosere Stoffe zu ersetzen.

Die Umweltschutzorganisation Greenpeace hingegen kritisiert die neue Regelung als unzureichend. „Die Verordnung ist kein großer Wurf“, sagte Greenpeace-Chemieexperte Manfred Krautter. Besorgniserregend ist für den Diplomingenieur vor allem, dass die staatliche Lebensmittelüberwachung die tatsächliche Belastung von Obst und Gemüse mit giftigen Pestiziden nicht einmal annähernd aufdecken könne. „Selbst die besten staatlichen Lebensmittellabore könnten nur etwa 600 der etwa 1350 Wirkstoffe, also nicht einmal die Hälfte, nachweisen“, sagte Krautter. Um die Belastung zu verringern, müsse die Anzahl und die Menge der eingesetzten Spritzmittel grundsätzlich reduziert werden, fordert der Greenpeace-Fachmann.

Ganz anders sehen dies die Vertreter der Landwirtschaft und der Chemieindustrie. Deutsche Chemiefirmen wie Bayer gehören zu den Weltmarktführern der Agrochemie. Ein großer Bereich der Konzernaktivität ist auf die Forschung und Herstellung von Pflanzenschutzmitteln ausgerichtet. Die neue EU-Regelung könnte ihren Gewinn verringern, weil auf der Verbotsliste auch Pestizide wie „Basta“ und „Liberty“ stehen, mit denen allein Bayer jährlich 241 Millionen Euro umsetzt. Karsten Klopp von der Landwirtschaftskammer Niedersachsen warnte davor, dass schon der Wegfall eines Wirkstoffes den Ertrag einer ganzen Sorte mindern könnte.