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Niedersachsen Kolumne „Aus meinem Papierkorb“: Vom Weinbau und Kubickis Kneipe
Nachrichten Politik Niedersachsen

HAZ-Glosse aus meinem Papierkorb: Vom Weinbau und Kubickis Kneipe

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13:00 25.09.2021
Michael B. Berger
Michael B. Berger Quelle: HAZ
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„Niedersächsisches Weinbaugebiet noch in weiter Ferne“ titelte die Deutsche Presseagentur diese Woche, als sie über einen Rebenacker in Ramlingen bei Burgdorf berichtete. Obwohl sich hierzulande bereits Hobbywinzer um die Rebenzucht bemühten und die Klimazone für Weinanbau durch den Klimawandel nach oben gerutscht sein soll, sei Niedersachsen noch nicht als offizielles Weinbaugebiet ausgewiesen, heißt es. Dabei hat der Acker in Ramlingen schon ein Gefälle von einem Prozent. „Wartet die Welt auf niedersächsischen Wein?“, fragt die dpa – und antwortet selbst: „Vermutlich nicht“. Andererseits steckt offenbar eine Langzeitstrategie dahinter, wenn Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil das Weserbergland immer wieder als die „Toskana des Nordens“ rühmt und sich selbst als „einfachen, biertrinkenden Ministerpräsidenten im Weinberg des Herrn“. Wann kommt er denn, der Brunello di Holzminden?

Oder Ananas in Alaska züchten?

Weinbau in Niedersachsen forcieren oder in Alaska Ananas züchten? Nichts kann in diesen ungewöhnlichen Zeiten, in denen das Klima verrückt spielt, überraschen. Franz Josef Strauß hat mal gesagt, er wolle lieber Ananas in Alaska züchten als Bundeskanzler in Bonn werden. Das war allerdings lange bevor die CSU-Wuchtbrumme Kanzlerkandidat der Union wurde und gegen den wunderbaren Hanseaten Helmut Schmidt verlor.

Auch anderswo ist mit Überraschungen zu rechnen. Auf Olaf Scholz hat vor Monaten keiner einen Pfifferling gesetzt. Jetzt baut er sich in den Umfragen so mächtig vor dem Armin Laschet auf, dass man aus dem Staunen nicht herauskommt. Was wird uns am Sonntag aufgetischt? Aal in Dillsauce oder die Aachener Printen? Abwarten. Der 18-jährige Lennart Dahms, der für die Linken in Nienburg antritt, hat schon erklärt, er würde im (unwahrscheinlichen) Falle eines Wahlsiegs sofort die Schule abbrechen. Na klar, so ein Bundestagsmandat ist doch allemal besser als ein Reifezeugnis. Hoffen wir, dass der Junge verliert. Nicht für die Schule, sondern fürs Leben lernen wir ...

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Den Bogen überspannt

Wenn die SPD schon den Einsatz von Drohnen verhindern will, sollte sie sich auch gegen den Einsatz von ferngesteuerten Kinderreportern einsetzen, auch wenn die zuweilen für Amüsement gesorgt haben. Keineswegs für Amüsement sorgte diese Woche der FDP-Politiker Wolfgang Kubicki, den man sich getrost in einem Uralt-Western mit John Wayne vorstellen kann. Wegen seiner politischen Unkorrektheiten fanden wir ihn streckenweise ganz lustig. Doch jetzt hat Kubicki, immerhin noch Bundestagsvizepräsident, den Bogen überspannt. Er prahlte damit, dass er trotz der Corona-Verbote seine illegal geöffnete Stammkneipe in seinem schleswig-holsteinischen Dorf weiter besucht habe, weil doch alle gewusst hätten, dass dort nichts sei. Er habe von seinem „Recht auf autonomes Handeln“ Gebrauch gemacht, meinte der Quertrinker. So ein Denken unterscheidet den alten Indianer Kubicki wenig von Autonomen, die gerne bürgerliche Wohnviertel verwüsten. Das Bundestagspräsidium sollte seinen Skalp fordern.

Von Michael B. Berger